Kategorie: Geschichten

Geschichten

Berge, Freiheit und Feinmechanik: Die „Mächler“ in Pfronten

Mächler Pfronten

Handwerk fasziniert mich. Das mag ganz grundsätzlich daran liegen, dass ich zwei linke Hände habe und durch meine Berufswahl immer hinter dem Schreibtisch sitzen werde – und ich es daher doppelt faszinierend finde, wie Menschen aus ganz einfachen Materialien die spannendsten Dinge erschaffen. So richtig präsent wurde mir das Thema jedoch erst, als ich meine Bachelorarbeit über indigenes, das heißt traditionelles und in bestimmten Bevölkerungsgruppen überliefertes, Wissen schrieb. Dabei ist der Begriff „traditionell“ eigentlich irreführend – es wird nicht nur heute noch angewendet, sondern ist in vielen Elementen, zum Beispiel, was Umweltschutz und Nachhaltigkeit betrifft, modern und zeitgemäß. Traditionell ist eher der Umgang mit dem Wissen, das von einer Generation an die nächste weitergegeben wird. Weiterlesen

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Sag niemals nie: Aufruf zur Blogparade

coto-bikes

Sag niemals nie – alle, die viel reisen, sollten sich diesen Satz wohl hinter die Ohren schreiben. Denn haben wir nicht alle dieses eine Mal in Erinnerung, als wir steif und fest behaupteten: „Niemals mach ich das!“ Nie steig ich da ein, nie schaff ich das, nie trau ich mich das allein, nie im Leben wird das gut gehen – und am Ende ist man eingestiegen, hat es geschafft, sich ganz alleine getraut, und alles ist gut gegangen. Und in den meisten Fällen hatte man sogar noch Spaß dabei.

Ich glaube, beim Reisen hat man besonders viele solcher Momente. Denn zum einen wächst man durch freiwillige und unfreiwillige Abenteuer ständig über sich selbst hinaus. Und zum anderen sind die Fronten derart verhärtet: Eine selbsternannte Backpackerin würde niemals eine Pauschalreise buchen – bis sie sich vom Angebot auf Urlaubshelden verführen lässt. Und im Gegenzug ist vieles, das für den einen zur ganz normalen Reiseplanung gehört, für andere unvorstellbar. Sätze wie „Wie, du reist ganz alleine? Und übernachtest dann auch noch bei fremden Leuten?“ werden gern ergänzt durch ein „Das käme mir ja nie in den Sinn!“ Weiterlesen

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Quer durch die Alpen, Teil eins: Berge und Traditionen

Bled Slowenien

Die vergangene Nacht habe ich am Flughafen Tallinn verbracht. Der eignet sich dank offener Bücherschränke, Sofas und Sitzsäcke erstaunlich gut dafür, Zeit totzuschlagen – trotzdem bin ich am nächsten Morgen ordentlich gerädert. Zwischen Flughafentoilette und Bahnsteig versuche ich, mich halbwegs wieder herzustellen, bevor ich schließlich im Abteil vor mich hin vegetiere. Es geht in Richtung Süden, nach Slowenien, in dieses kleine Land zwischen österreichischen, italienischen und slawischen Einflüssen, in dem einen so viel merkwürdig vertraut vorkommt und manches dann plötzlich doch wieder überraschend fremd. Weiterlesen

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Die Geheimnisse der Spielzeugmacher

Spielzeug Erzgebirge

Als ich den Laden betrete, werde ich aus Hunderten von Knopfaugen angestarrt. Teddys, so weit das Auge reicht. Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass ich nicht einer einheitlichen Bärenarmee gegenüberstehe, sondern jeder einen ganz eigenen Charakter hat. Es gibt große Teddys und sehr kleine, es gibt sie in verschiedenen Farben und mit verschiedenen Gesichtsausdrücken, und manche haben sogar noch Bilder und Zeichnungen auf dem Bauch. Bei der Teddymanufaktur Martin gehört das sozusagen zur Geschäftsstrategie: Jeder soll hier „seinen“ Bären finden. Das geht sogar so weit, dass man sich den eigenen Bär individuell aus alten Hemden oder Jeans nähen lassen kann. Weiterlesen

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Wildnis auf dem Teller: Wild Food in Lappland

wild food finnland

Wild-Food-Kochkurs heißt der Programmpunkt. Wir sind in Finnisch-Lappland, wo die Winter lang sind und die Rentiere entspannt über die leeren Landstraßen spazieren, und zumindest in meinem Kopf spielen sich, als ich den Begriff zum ersten Mal höre, Szenen ab, in denen bärtige Männer mit karierten Hemden in reißenden Bächen stehen und Lachse mit der Hand fangen. Oder so ähnlich. Wild eben. Weiterlesen

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Irgendwann ist immer das erste Mal

Traumpfad Eltzer Burgpanorama

Irgendwann ist immer das erste Mal. Und, auch wenn es mir viele nicht glauben können, bis vor einigen Wochen bin ich noch nie zuvor alleine gewandert. Ich bin bereits mehrmals alleine gereist, doch diese Reisen gingen immer in Städte. Wenn es in die Natur ging, schloss ich mich größeren Gruppen an. Klar, in Deutschland war ich auch häufig alleine spazieren. Aber das waren kurze Strecken, zwei Stunden durch Park und Stadtrand. So richtig für mehrere Stunden mitten in die Natur, ganz ohne jemanden an meiner Seite? Noch nie.

Dass sich das änderte, war letztendlich eher Zufall als fester Beschluss: Ich suchte mir nicht in Cheryl Strayed-Manier einen Weg, der das Land von Nord nach Süd durchquerte, um zu mir selbst zu finden, und ich gelangte auch nicht zu tiefer spiritueller Erkenntnis auf dem Jakobsweg.

Ich bin ins Maifeld gereist und den Traumpfad Eltzer Burgpanorama gewandert. Und danach noch ein bisschen weiter. Und hab dabei tatsächlich so einige Erkenntnisse gewonnen – von denen eine lautet: Alleine wandern ist ziemlich großartig.

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Die Wissenschaft vom Dampf: Sauna in Finnisch-Lappland

Sauna Finnland

Wer an Finnland denkt, denkt vermutlich an Rentiere, den Weihnachtsmann – und an Saunas. Keins der Dinge ist in Lappland ein bloßes Klischee: Wer auf den Straßen unterwegs ist, begegnet auf kurz oder lang einem Rudel der großen Geweihträger. Der Weihnachtsmann war im September natürlich noch nicht anzutreffen, aber wenn der erste Schnee liegt, kommt er vorbei.

Und die Saunas? Ohne die würde das Leben in Finnland wohl zum Erliegen kommen. „Wenn ein Haus keine Sauna hat, ist etwas sehr falsch mit diesem Haus“, erklärt uns Eveliina, bevor wir uns zum ersten Mal zum Schwitzen begeben. Eveliina ist selbst ernannte Sauna-Elfe und begleitet uns gemeinsam mit Gehilfe Joonas bei unseren ersten richtig finnischen Sauna-Versuchen. Wobei: Viel falsch machen kann man eigentlich nicht in einer richtig finnischen Sauna – aber dazu später mehr. Weiterlesen

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Die Melancholie des Sommerendes: Radfahren im Allgäu

Pfronten Allgäu

„Heute ist der letzte Tag des Sommers.“ Ich weiß nicht, wie oft ich solche Worte diesen Sommer über gehört habe. Nie haben sie gestimmt – immer wurde es noch einmal warm und sonnig.

Der letzte Tag, das letzte Wochenende des Sommers, so hieß es auch an dem Wochenende, das ich Ende August zusammen mit meinem Freund in Pfronten im Allgäu verbrachte. Diese ganz spezielle „Wenn-nicht-jetzt-wann-dann“-Stimmung des kurzen Sommers in Deutschland und ganz Mittel- und Nordeuropa hatte uns vollkommen ergriffen. Und so schwangen wir uns aufs Fahrrad und erkundeten so viele Orte wie möglich, badeten in jedem See, der sich dafür anbot, legten uns ins frisch gemähte Gras, genossen das Rot des Sonnenuntergangs. Weiterlesen

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Gastartikel: Wo das rote Herz Australiens schlägt

Uluru Australien

Australien ist ein Kontinent, der mich immer relativ wenig interessiert hat. Klar, es mag dort spannende Natur geben, aber so spannend, dass es einen Flug einmal quer um den Planeten rechtfertigt? Dazu noch die Dichte an Giftschlangen und Riesenspinnen – muss nicht sein. Dass Australien aber ein ganz eigener Zauber innewohnt, das zeigt mir und euch heute Annemarie von Travel on the Brain, die von ihrem absolutem Lieblingsort erzählt: Dem Uluru.

Annemarie ist tatsächlich mit ihrem englischsprachigen Blog bekannt geworden – und mit ihren wunderschönen Instagram-Bildern. Inzwischen bloggt sie auch auf deutsch und hat passend dazu ein deutsches Buch über ihre Abenteuer in Australien und Neuseeland verfasst, das sie euch unter dem Artikel auch vorstellt. Aber jetzt genug der Vorrede – lasst euch von Annemarie nach Australien mitnehmen! Weiterlesen

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Ein Ort zum Bleiben: Huanchaco in Nordperu

Huanchaco

Allgegenwärtig ist das Rauschen der Wellen in Huanchaco, man hört es, wo man geht und steht, man gewöhnt sich daran und doch zaubert es einem ein Lächeln aufs Gesicht, wenn man es wieder bemerkt, allein die Vorstellung: Da draußen, keine zweihundert Meter entfernt, liegt der Pazifische Ozean, so groß wie alle Kontinente der Welt zusammen, da vorne liegt mehr als die Hälfte des Wassers, was es auf dieser Erde gibt. Immer hätte ich gedacht, in den Bergen, in der Natur, fühlt man sich klein, doch das geht auch am peruanischen Pazifikstrand. Weiterlesen