Geschichten

Ein ABC der Berge: Die Gipfel Ecuadors

Ecuador Reiseberichte

Natürlich wusste ich: Ich ziehe nicht nur in ein Land, in dem es hohe Berge gibt – ich ziehe mitten in die hohen Berge. Doch 2.800 Meter, die Höhe, auf der Quito liegt, das hört sich als Zahl verdammt abstrakt an. Zweitausendachthundert, das ist fast so hoch wie die Zugspitze, doch dank des Tropenklimas in Ecuador weder ganzjährig voller Schnee noch lebensunfreundlich, ganz im Gegenteil. Aufgrund eines kleinen politisch-geographischen Tricks (La Paz ist in Bolivien nämlich nicht Hauptstadt, sondern nur Regierungssitz) ist Quito damit die am höchsten gelegene Hauptstadt der Welt.

Wie ist es, in der höchstgelegenen Hauptstadt der Welt zu leben? Viele haben bei der Ankunft erst einmal Probleme, Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwäche. Ich muss zum Glück nur aufpassen, dass ich nicht zu schnell laufe, weil mir sonst die Luft wegbleibt. War das damals auch so, als ich als Kind auf der Zugspitze stand? Ich kann mich nicht erinnern. Dafür staune ich über die Wolken, die jeden Tag so plastisch, so greifbar, so nah aussehen, und über die Gewitter, die plötzlich über Quito hereinbrechen und bei denen man sich selbst von zu Hause aus auf unheimliche Weise mitten im Geschehen fühlt. Ich lerne die Aussicht über das Tal nebenan zu lieben, wenn dort tief die Wolken hängen und im Hintergrund die Gipfel auftauchen, und kann nach und nach die Namen der einzelnen schneebedeckten Spitzen aufzählen. Alle sind sie Vulkane, die meisten davon aktiv, manche davon sind erst in den letzten Jahren ausgebrochen, hier geht es um Risikomanagement und Evakuierungspläne. In den Bergen zu leben, in Ecuador heißt das, mit den Bergen zu leben. Weiterlesen

Impressionen

Meine Lieblingsfotos 2016/1

Lieblingsfotos 2016

Halbjährlich grüßt das Murmeltier – oder, besser gesagt, die Blogparade von Michael vom Blog Erkunde die Welt. In der ruft er die Blogger-Welt dazu auf, ihre schönsten Fotos der vergangenen sechs Monate noch einmal zu präsentieren. Die waren bei mir ganz schön ereignisreich, nicht nur, aber vor allem, weil ich sie in fünf Ländern auf drei Kontinenten verbracht habe – Umzüge, Abschiede, Wiedersehen haben einige psychische Kerben hinterlassen, und kurz gesagt ist das auch der Grund dafür, dass mein letzter Blogartikel bereits mehr als drei Wochen zurückliegt. Quito hat mich nämlich nicht nur als Stadt verzaubert, sondern ich habe dort auch so einige wirklich wunderbare Menschen kennen gelernt, die ich in nächster Zeit irrsinnig vermissen werde. Zum Glück gibt’s dafür eine Lösung – sparen, sparen, sparen, und nächstes Jahr zurückkommen! Weiterlesen

Erfahrungen

Mit Lomography in London: Ein fotografischer Reiseführer

Lomography London

Ich liebe es, analog zu fotografieren, und ich liebe die Lomographie. Leider komme ich viel zu selten dazu, meine Kameras auszuführen – auf Reisen nehme ich meistens die Spiegelreflex und habe oft keine große Lust, ständig zwischen zwei Kameras zu wechseln.

Das muss sich ganz definitiv ändern! Um in Zukunft mehr Lomo-Bilder von meinen Reisen mitzubringen, habe ich mir selbst eine kleine Challenge überlegt: Zu einigen Orten, die ich besuche, werde ich in Zukunft kleine Lomography-Travelguides schreiben. Ich werde Orte und Aktivitäten suchen, bei denen es sich ganz besonders lohnt, mit einer verrückten kleinen Plastik-Analogkamera aufzukreuzen, und natürlich werde ich euch meine Bilder präsentieren. Dazu möchte ich zu jeder Stadt auch die analoge Kamera vorstellen, mit der die Fotos aufgenommen wurde. Letztendlich geht es schließlich darum, euch die Fotografie mit Film näher zu bringen, und ich glaube, viele haben erst mal Hemmungen, wenn es um den Kamerakauf geht. Gerade bei Lomography gibt es ja eine riesige Auswahl, da fällt die Wahl schwer – mit ein paar Stichpunkten zur Benutzung und den Fähigkeiten und Grenzen jeder Kamera möchte ich euch ein bisschen helfen.

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Gedanken

Was wir wirklich meinen, wenn wir „authentisch“ sagen

authentizität-reisen

Es gibt wohl im Bezug auf das Thema Reisen kaum ein Wort, das so inflationär verwendet wird und dennoch so sehr jeglicher Bedeutung entbehrt wie „authentisch“. Gerade Individualreisende und Backpacker scheinen hauptsächlich loszuziehen, um das zu finden, was „authentisch“ ist. Authentisches Essen, authentische Kleidung und authentische Menschen in einer authentischen Straßenszene. Manchmal kommt es mir so vor, als ob das Wörtchen längst zu einem Kampfbegriff geworden ist, gegen Pauschaltouristen, die in einer Palmen-Scheinwelt leben, gegen alle, die irgendwie „falsch“ reisen oder gar, huch, Urlaub machen!

Gerade bei Backpackern in Lateinamerika grassiert die Idee der Suche nach der Authentizität, nach dem Echten. Doch was ist eigentlich echt, wenn die gesamte Reiseindustrie im Prinzip Scheinwelten vermarktet? Ulrike vom Bamboo Blog hat zu einer sehr spannenden Blogparade aufgerufen – und ich möchte versuchen, ihre Ausgangsfrage zu beantworten: Authentizität auf Reisen, was ist das eigentlich? Weiterlesen

Gedanken

Gretchenfrage

Iglesia La Compania Quito

In Deutschland muss ich über Religion nicht diskutieren. Meine Freunde denken wie ich oder zumindest so ähnlich, sind vielleicht getauft und gar konfirmiert, waren aber zuletzt bei der Hochzeit der Cousine oder mit der Schulklasse in einem Gottesdienst. Die Kirche ist ein schwieriger Verein, denken wir, sie mag vielleicht Menschen Trost spenden, aber gleichzeitig ist sie eine Brutstätte für Machismen, seltsame Hierarchien und schlimme Dinge, die sich daraus ergeben. Meine Freunde, sie sind vielleicht gläubig, aber die meisten im Sinne von „Ich glaube an etwas, das da ist, nicht an eine Institution“, einige sind aus der Religion ausgetreten, der sie durch ihre Eltern angehörten, und diejenigen, die in Ostdeutschland aufgewachsen sind, wissen nicht einmal, warum der Pfingstmontag ein Feiertag ist.

Kurz gesagt: In Deutschland werde ich höchstens vom Finanzamt gefragt, welcher Religion ich angehöre. Glaube, oder in meinem Fall Nichtglaube, spielt absolut keine Rolle in meinem Leben. Meine Meinung zum Thema Religion kann ich so simpel halten, weil ich mich seit Jahren nicht mehr damit auseinandersetzen musste: Ich glaube höchstens an das Gute im Menschen, alle anderen können glauben, was sie wollen, solange sie damit niemandem Schaden zufügen.

Ganz anders ist das hier in Südamerika. Auf die eine oder andere Weise dringt die Religion hier in so viele Bereiche des Alltags ein, dass man auf einmal gezwungen ist, sich tiefer mit ihr auseinanderzusetzen. Eine kleine Suche nach Antworten – und eine große Verwirrung. Weiterlesen

Geschichten

Eure Reisebegegnungen: Zusammenfassung meiner Blogparade

blogparade-reisebekanntschaften02 (Andere)

Vor etwas über zwei Monaten habe ich meine zweite Blogparade gestartet. Ich wollte Geschichten deiner Reisebegegnungen hören – denn mir ist aufgefallen, dass wir Blogger, unseres Zeichens Geschichtenerzähler, zwar Tipps teilen, schöne Fotos und Momentaufnahmen, aber viel zu selten von den Menschen berichten, die unsere Reisen in andere Länder so besonders und spannend gemacht haben. Ob wir kleine Momente mit ihnen geteilt haben oder unser ganzes Leben, ob wir Spaß zusammen hatten oder jemanden brauchten, der uns in einer blöden Situation wieder aufbaut – Begegnungen sind das, was eine Reise ausmacht. Denn auch, wenn wir Städte, Landschaften und Länder in unserem Herzen mit nach Hause tragen, viel tiefer gehen Gespräche, gemeinsame Ausflüge und geteilte Weltanschauungen.

Ich bin froh, dass ihr das genauso seht wie ich – und ganze 33 Beiträge eingesendet habt! In vielen davon geht es um kurze, flüchtige Begegnungen mit Menschen, die man vermutlich nie wieder sehen wird. In anderen geht es um die Reisebegegnungen, die geblieben sind – und zu besten Freunden oder sogar Lebenspartnern geworden sind. Einige Artikel erzählen davon, wie lehrreich eine Begegnung in einem anderen Land sein kann, andere bringen einen ganz einfach zum Schmunzeln und Ans-Gute-in-der-Welt-Glauben. Weiterlesen

Geschichten

Märchenstunde aus Wales

Rundreise Wales

Grün wogende Hügel, blau glitzerndes Wasser, riesige Felsbrocken, ferne Burgen und Schlösser, mit Efeu bewachsene Schiefermauern, bunte Fischerboote – noch kein Land vorher schien mir derart Kulisse eines Märchens zu sein wie Wales. Vielleicht mag es an unserer spontanen Art zu reisen liegen, an der Einfachheit, die einen zurückversetzt in die Zeit des Wunderns und Staunens, vielleicht spielen auch die Ortsnamen eine Rolle, kaum aussprechbar und umso mystischer, vielleicht haben mich die vielen lokalen Sagen inspiriert, die zu den Landschaften kursieren. Eins weiß ich sicher: Wales wird in meinem Kopf immer das Land der Märchen, der Burgherren und Hexenhäuser, der Riesen und Nixen bleiben.

Deshalb heute, zur Abwechslung nach all den Ecuador-Artikeln, eine kleine Märchenstunde aus Wales, in fünf Geschichten. Inklusive Tipps und Inspirationen für deine eigene Rundreise durch Wales. Viel Spaß! Weiterlesen

Geschichten

Von Geheimfächern und Schokolade: Handwerk in La Ronda, Quito

La Ronda Quito

In der kleinen Werkstatt riecht es leicht nach Gas, das braucht man, um das Metall zu erwärmen. Die Wände sind behängt mit filigran verzierten Kunstwerken aus Gold, Silber und anderen Materialien, das meiste sind kirchliche Motive, die vielen Kirchen in Quitos Altstadt brauchen ihn, den Restaurateur. Werkzeuge liegen herum, scheinbar chaotisch, und trotzdem findet er mit einem Handgriff die richtige Zange, den Meißel mit der richtigen Spitze. Er rückt die Brille auf der Nase zurecht und beginnt zu klopfen, in einer Geschwindigkeit, die mich erstaunen lässt. Der Hammer saust herunter, schnell und präzise wie eine Maschine. Er nimmt die Geräte beiseite und zeigt mir das filigrane Blumenmuster, das entstanden ist, symmetrisch und genau. „Ich habe das hier von meinem Vater gelernt“, erzählt er, „und das kannte es von seinem Vater.“ Ob er hier ganz allein arbeitet, will ich wissen, und er zuckt mit den Schultern. „Wenn es sehr viel Arbeit gibt, helfen mir meine Frau und meine Söhne. Es ist ein Familienbetrieb.“ Weiterlesen

Erfahrungen

12mal12: Meine Empfehlungen im April

Zitat Reisen Unrecht

Ich muss ja ganz selbstkritisch eingestehen: Den Namen „12mal12“ haben meine Monatsempfehlungen eigentlich nicht mehr verdient. Zwölf mal zwölf Empfehlungen, das war die Idee, also einmal im Monat ein Artikel mit zwölf Punkten – und nun habe ich schon wieder einen Monat ausgelassen. Dafür gibt es diesmal eine schöne große Sammlung mit verschiedensten Empfehlungen für dich. Wie immer freu ich mich, wenn du mir in den Kommentaren deine persönlichen Monatsempfehlungen verrätst! Weiterlesen

Geschichten

Die kleinen Dinge

Quito Altstadt

Ich glaube, zwischen all den Neidisch-Mach-Fotos und abenteuerlichen Geschichten, zwischen den vielen neuen Facebook-Freunden und den Beweisen darüber, wie sehr man sich doch schon eingelebt hat, zwischen all dem fragt sich jeder, der für eine längere Zeit ins Ausland geht, an irgendeinem Punkt, warum er sich das eigentlich antut.

In Peru war dieser Punkt gekommen, als ich mir nach etwa fünf Monaten eine schlimme Mandelentzündung eingefangen hatte und meine Eltern verabschieden musste, die mich zwei Wochen lang besucht hatten. Damals war mein erster Wunsch, mit ihnen in den Flieger zu steigen. Weg von dem Stress und den Unannehmlichkeiten, weg von der langweiligen Arbeit und den komplizierten Freundschaften, wieder zurück in dieses grüne, saubere, leise und komfortable Deutschland, in dem einen einfach jeder versteht.

Nun, in Ecuador, habe ich diesen Punkt gleich bei meiner Ankunft erreicht. Anstatt gemeinsam mit anderen die ersten Tage lang zu Erkundungstouren zu starten und direkt Freunde zu finden, sitze ich in meinem Zimmer und gucke mir auf WhatsApp die Fotos von der Grillparty meiner Freunde an, zu Hause in Deutschland. Nach jetlagbedingten vier Stunden Schlaf verschwimmt alles vor meinen Augen. Weiterlesen

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