Geschichten

Vom Leben mit dem Meer

Salz auf der Zunge, Wind in den Haaren, Sand unter den Füßen und der Blick in die Ferne – Meer, gerade für uns in Deutschland ist das geradezu ein Synonym für „Urlaub“. Plantschen zwischen ruhigen Wellen, sonnenbaden mit Blick auf den fernen Horizont, auf dem Surfbrett durch die sprudelnde Gischt brettern. Das Meer ist Entspannung und Spaß, Fernweh-Faktor Nummer eins und Garant für kitschige Sonnenuntergänge – für die Touristen. Einheimische haben meist eine ganz andere Beziehung zu ihrem Ozean, ihrer Küste. Für sie ist das Meer Identität und Grenze, Arbeitsplatz und Wildnis, Alltag und Fremde.

Kaum irgendwo wird das so deutlich wie in der Bretagne, diesem Landstrich zwischen Ärmelkanal und Atlantik, vor dessen Küste wilde Strömungen und scharfkantige Felsen die Seeleute um den Verstand bringen. Am Meer leben heißt hier mit dem Meer leben, und das ist alles andere als eine Wahl – dem Wind und den Wellen kann sich niemand entziehen. Weiterlesen

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Die Magie der Wolga

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Die Wolga, ein Mythos, eine Nation. 3.500 Kilometer, im Jahresdurchschnitt über 8 Millionen Liter Wasser, und trotzdem verlässt der größte Fluss Europas nie das Land, in dem er entspringt. Dass das einmal anders war, von den vielen verschiedenen Völkern, die hier in früheren Zeiten lebten, davon erzählt die Region Tatarstan, dort, wo die Wolga so breit wird wie ein riesiger See. Eine Geschichte über ein Volk und viele, über widerlegte Klischees, träge Wassermassen und die letzten Sommertage.

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Ist das noch Russland? Eine Reise nach Kasan

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Schon mal was von Tatarstan gehört? Ich auch nicht. „Wow, zu den Tataren wollte ich immer mal!“, sagen osteuropainteressierte Freunde auf Nachfrage. „Hierzulande noch recht unbekannt“, sagt Google. „Was willst du denn da?“, sagen meine Eltern. Ohne Ahnung, aber dafür mit umso mehr Vorurteilen über Russland reise ich an – und werde überrascht wie auf kaum einer Reise. Eine Geschichte von einer Stadt im Aufbruch und vielen Ungewöhnlichkeiten.

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Auf Schmugglerrouten durch Andorra

„Was ist das, was hier überall wächst – Salat?!“ Ratlosigkeit auf unseren Gesichtern, als wir entlang kleiner Felder durch die andorranischen Pyrenäen fahren. Tatsächlich, die zarten grünen Pflanzen, die ihre dünnen Blätter aus dem frisch beackterten Boden ragen lassen, sehen aus wie Kopfsalate, die bis zur Ernte noch eine Weile wachsen müssen. Aber Salatblätter, hier, mitten in den Bergen, auf so kleiner Fläche? Wer in einem Land lebt, das dank steiler Hänge und hoher Plateaus ohnehin kaum Möglichkeiten zur Landwirtschaft bietet, wird vermutlich etwas anbauen, das ein bisschen mehr Nährstoffe enthält, denke ich mir noch, und kneife die Augen zusammen.

Endlich dann die Erkenntnis – was hier wächst, ist tatsächlich Tabak. Dass eben dieser in Andorra aus Steuergründen gerne eingekauft wird, war mir bewusst, jedoch nicht, dass das kleine Land selbst welchen anbaut. Dabei hat der Tabakanbau eine lange Geschichte und war der wichtigste Wirtschaftszweig des Landes, bevor er vom Tourismus abgelöst wurde. Weiterlesen

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Mein Street Art-Road Trip durch Portugal – Feriengefühl in Figueira da Foz

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Portugal hat sich in den letzten Jahren zu einem der spannendsten Länder der Welt für Street Art entwickelt. Die Kunstwerke sind nicht nur in Lissabon und Porto zu finden, sondern auch in kleineren Städten, in die sich nur wenige Touristen verirren. Ich habe einen Road Trip durch die Region Centro de Portugal im Norden des Landes gemacht, um genau diese zu erkunden. Nach dem Auftakt unseres Road Trips in Estarreja verschlägt es uns ein paar Zwischenstopps später in den Badeort Figueira da Foz, der aussieht wie ein mondänes Wunderland aus vergangenen Jahrzehnten.  Weiterlesen

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Geschichten von der Nacht

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Ich schaue der großen Bahnhofsuhr zu, wie sich der Minutenzeiger langsam in Richtung der zwei schiebt. Einen Artikel über Schlaf, den muss ich nachts schreiben, habe ich mir gedacht. Und doch war das alles anders geplant. Der einzige Zug, der mich heute Nacht zum Flughafen bringen kann, ist fast neunzig Minuten verspätet, und ich sitze und stehe abwechselnd am Gleis und friere. Weiterlesen

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Stadt der Zukunft?! Eine Geschichte aus Malmö

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190 Meter schraubt sich der Turning Torso, Malmös Wahrzeichen, in die Höhe – damit ist er der höchste Wolkenkratzer in ganz Skandinavien. Es wundert mich, dass er so alleine dasteht, ohne Anschluss an „Malmhattan“, an die modernen Bürogebäude am Wasser. Und noch mehr wundert es mich, als ich erfahre, dass das einen guten Grund hat: Der Turning Torso ist kein Prestigeprojekt einer großen Bank, sondern ein Wohngebäude, entworfen von Santiago Calatrava, der sonst Brücken, Bahnhöfe und Museen baut, die weltweit Preise gewinnen. In diesem Kunstwerk kann man wohnen – und das sogar zur Miete und mit gutem Gewissen. Weiterlesen

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Mein Street Art-Road Trip durch Portugal – Überraschung in Estarreja

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Portugal kennt man für Strände, spannende Städte und hübsche Fliesen – klar. Aber das kleine Land am westlichen Rand Europas hat mittlerweile auch eine der spannendsten und lebhaftesten Street Art-Szenen der Welt. Und auch, wenn ich es selbst liebe, in Lissabon und Porto nach Kunstwerken zu suchen, reicht das den Menschen in Portugal längst nicht mehr: Man bemüht sich hier seit einigen Jahren, Street Art gerade auch außerhalb der großen Städte zu fördern. In der Region Centro de Portugal im Norden des Landes hat das zu spannenden Ergebnissen geführt, die sich perfekt in einem kleinen Roadtrip erkunden lassen. Den Anfang macht die Kleinstadt Estarreja, nur eine 40-minütige Autofahrt von Porto entfernt. Weiterlesen

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Der Blick in die Wolken: Museumskunst in Lyon

Ein Raumschiff, denke ich. Eins wie aus Star Wars, das hinten eine Klappe aufmacht, in die die Milennium-Falken hineinfliegen und landen können. Eine Sphinx ohne Kopf oder eine stilisierte Schildkröte? Oder doch eine ganz zufällige Konstruktion, inspiriert von zerknülltem Papier wie bei den Simpsons? Ich mag moderne Architektur wirklich, aber das Interpretieren fällt mir meistens schwer. Linien, Flächen, Fenster und Stahl, gut und schön, aber darin Strukturen und Bewegungen erkennen, sinnhafte Motive und sichtbare Ideen? Der dahinterstehende Sinn erschließt sich mir meist erst, wenn ich mit der Nase darauf gestoßen werde. Oder gar nicht – ich stehe und schaue, lege begeistert den Kopf in den Nacken und suche die Glas- und Stahlwände mit den Augen ab, aber es ist wie mit dem Blick in den Himmel: Alles kann man erkennen und nichts.

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Was kann man tun, wenn nicht träumen?

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Man tritt durch einen mit Wein überwachsenen Torbogen und weiß gar nicht, wohin man zuerst schauen soll. Treppen, Inschriften, Säulen, Zinnen, Tiere, Muster, Worte, Symbole – ein Wirrwarr aus den verschiedensten Motiven empfängt den Besucher. Das Gestein scheint zu wuchern, sich immer neue Wege, neue Formen zu suchen, sich in dem Moment, in dem man das Gebäude anblickt, in die Höhe zu winden, zu krümmen und zu zerfließen, nur um an anderer Stelle wieder zu erstarren. Der Palais Idéal ist eine Herausforderung für den Betrachter. Verwirrt, verzaubert, entgeistert steht man davor, ist überfordert mit der Frage, von welcher Seite man sich zuerst nähern soll, ob man hinaufsteigen soll oder sich bücken und hineinschauen, ob man aus der Ferne gucken soll, das große Ganze, oder sich lieber in den Details verlieren. Weiterlesen