Geschichten

Ein Ort zum Bleiben: Huanchaco in Nordperu

Huanchaco

Allgegenwärtig ist das Rauschen der Wellen in Huanchaco, man hört es, wo man geht und steht, man gewöhnt sich daran und doch zaubert es einem ein Lächeln aufs Gesicht, wenn man es wieder bemerkt, allein die Vorstellung: Da draußen, keine zweihundert Meter entfernt, liegt der Pazifische Ozean, so groß wie alle Kontinente der Welt zusammen, da vorne liegt mehr als die Hälfte des Wassers, was es auf dieser Erde gibt. Immer hätte ich gedacht, in den Bergen, in der Natur, fühlt man sich klein, doch das geht auch am peruanischen Pazifikstrand. Weiterlesen

Geschichten

Ferien auf dem Bauernhof – für Große

Papagayo Norte

„Nein, du kannst kein normales Taxi nehmen, das muss ein Pick-up sein!“ Skeptisch blicke ich auf das Hotel, das über der kleinen Stadt Cayambe auf einem Hügel thront. Weit sieht der Weg nicht aus, aber ja, ich muss zugeben, dass es ordentlich hoch liegt, ein gutes Stück über dem Ort. Ich zucke mit den Schultern und steige ein. Kurz geht es durch die Stadt, doch schließlich verstehe auch ich, warum das mit dem Taxi schwierig geworden wäre: Auf und ab rattern wir über Feldwege, das Auto ist für lateinamerikanische Verhältnisse top in Schuss und scheint mir dennoch um die Ohren zu fliegen. Hunde versperren den Weg, schließlich ein paar Schafe, die sich nach einem Hupen jedoch flink von der Fahrbahn wegbewegen. Dann sind wir da, in der Hostería Papagayo Norte, nordöstlich der ecuadorianischen Hauptstadt Quito. Weiterlesen

Erfahrungen

Wenn Nationalstolz durch den Magen geht

Peruanisches Essen

Seit meiner Zeit in Ecuador und Peru ist mittlerweile mehr als ein Monat vergangen. Und so kann ich, glaube ich, ziemlich gut feststellen, was ich am meisten vermisse: Die vielen lebhaften, bunten, trubeligen Märkte, wie es sie vor allem in Lima an jeder Ecke gibt. Ein kunterbuntes Durcheinander aus den verschiedensten Obst- und Gemüsesorten, Gewürzen und Chilischoten, die häufig allein aufgrund der Masse phänomenal aussehen, ein Labyrinth aus Gerüchen, ein Gewirr aus Stimmen. Jede Abzweigung entführt einen in eine andere Abteilung, hier noch Limonen, dort auf einmal Frühstücksstände und gegenüber – natürlich – das rohe Fleisch, das blutig und oft von Fliegen umschwirrt von dicken Haken hängt, der rohe Fisch, der mit seinem Gestank den halben Markt überlagert, da helfen auch die Räucherstäbchen nichts, die die Verkäufer hoffnungsvoll angezündet haben. Die kleinen Marktrestaurants haben an Tafeln angeschrieben, was es zum Mittagessen gibt, und wieder einmal kann man sich nicht entscheiden. Wenn man überhaupt noch Hunger hat, denn das viele Obst sah wieder einmal viel zu verlockend aus, auch wenn man bei vielen Dingen nicht mal weiß, welchen Teil man davon eigentlich isst. Und auf manchen Märkten gibt es in irgendeiner Ecke sogar noch Übersinnliches zu bestaunen, Kerzen, Kräuter und Figürchen zum Beschwören guter oder vielleicht auch böser Geister.

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Gedanken

Wir Ländersammler. Eine offene Entschuldigung

Schultafel Globus

Dieser Artikel enthält Werbung! Genauere Infos dazu findest du am Ende des Textes.

Ich muss mich hiermit kurz outen. Einmal vorweg: Ich reise, weil ich wissen möchte, wie es woanders aussieht, weil ich spannende Natur erleben möchte, weil ich Spaß und Abwechslung suche, weil ich Freunde in anderen Ländern habe oder weil es sich einfach so ergibt. Ich reise vergleichsweise langsam und interessiere mich wenig für Sehenswürdigkeiten. Ich bemühe mich, die jeweiligen Länder und Orte zu verstehen, interessiere mich für Kultur, Geschichte, Politik und Architektur. Und doch besitze ich eine Rubbelkarte, auf der ich besuchte Länder freilegen kann. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich ein Zug- oder Flugticket in ein Land buche, das ich noch nie zuvor betreten habe. Und ich halte regelmäßig inne, um nachzuzählen, wie viele Länder ich bisher bereist habe. Es ist keine Zahl, mit der es sich anzugeben lohnt, aber ich freue mich trotzdem, wenn sie wächst. (Spoiler: Es sind mittlerweile so viele Länder, wie ich Jahre alt bin!) Ich erzähle gern von meinen Reisen und von meiner Zeit in Südamerika und mir ist schon mehr als einmal aufgefallen, dass ich damit ziemlich altklug und arrogant klingen kann. Ich kaufe Avocados und Mangos im Supermarkt, auch wenn mein Geldbeutel darüber weint, und bestelle mir ab und an peruanische Chilipasten oder Süßigkeiten im Internet. Mein WG-Zimmer ist voller Souvenirs aus Peru und China und Reiseführern zu Südamerika oder Portugal. Weiterlesen

Erfahrungen

#Reisebilder: Ein Rückblick auf unsere Instagram-Challenge

Instagram Challange Reisen

Ich weiß, Instagram hat in letzter Zeit nicht mehr unbedingt den besten Ruf. Erst ging der Aufschrei der fehlenden Authentizität durch die Blog-Welt, dann beschwerte man sich über geänderte Algorithmen und schließlich kam die merkwürdige Neuerung „Instagram Stories“, die das Netzwerk sozusagen eins zu eins von Snapchat abgekupfert haben soll. Was soll ich sagen – ich mag die App trotzdem noch richtig gerne. Ich scrolle mich einfach gerne durch hübsche Bilder aus aller Welt, und genauso gern teile ich meine Fotos von unterwegs. Klar finde auch ich es absurd, dass dort 18-Jährige mit Fotos von rosanen Smoothies oder sich selbst im Bikini siebenstellige Follower-Zahlen haben, aber solche Accounts finden sich in meiner Abonnement-Liste einfach nicht. Stattdessen bin ich jedes Mal wieder begeistert, auf was für großartige Natur- und Reisebilder ich stoße.

Instagram ist für mich eine schöne Kombination aus sozialem Netzwerk und Portfolio, und doch geht der Austausch bei mir häufig ein wenig unter. Klar, ich bemühe mich, auf Kommentare zu antworten und like auch mal Bilder von anderen, wenn sie mir gefallen. Aber darüber hinaus bin ich, wenn man das so sagen kann, ziemlich faul. Kommentare schreibe ich selten und mein Profil gleicht immer mehr einem Portfolio als einer Seite, auf der man spontane Momente direkt aus dem Smartphone hochlädt. Ich mag das und möchte nicht damit anfangen, stattdessen mein Frühstück zu fotografieren, aber trotzdem brauche ich manchmal einen kleinen Anstoß, etwas spontanere und vor allem persönlichere Bilder hochzuladen, einen Blick hinter die Kulissen zu geben, sozusagen, und zu den Fotos auch mal etwas mehr zu erzählen.

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Gedanken

Grenzgänge: Im Nirgendwo zwischen Ecuador und Peru

Lambayeque Peru

„Por qué será que los ecuadorianos son unos sinverguenzas?“, warum sind die Ecuadorianer nur so unverschämt? Die Grenzbeamte schüttelt den Kopf und sieht auf mich herunter. Ich zucke mit den Schultern und bete innerlich, sie möge mir doch einfach schnellstmöglich einen Stempel in den Pass drücken. Unverschämt, damit meint sie ein älteres Ehepaar, das gerade an die Beamte herantrat, um sich über die lange Warteschlange zu beschweren. Ein paar Meter weiter erneute Diskussionen, es geht tatsächlich darum, dass man zum Überqueren ein kleines Formular ausfüllen muss, das die Beamten sechsmal auf eine Seite gedruckt haben. Da es keine Schere gibt, um aus einem Blatt sechs zu machen und diese den Leuten in die Hände zu drücken, müssen erst mal alle in Ecuador bleiben, rechtlich zumindest, faktisch stehen wir schon auf peruanischem Boden. „Son unos sinverguenzas sí o no?“, sie sind unverschämt, oder?, schiebt die Frau hinterher und wirft einen bitterbösen Blick auf die Diskutierenden. Ich versuche zu beschwichtigen und erkläre, dass wir alle gestresst sind aufgrund der Schlange, die bis zur Straße hinaus reicht. Tatsächlich frage ich mich, wie es sein kann, dass das Fehlen einer Schere einen ganzen Grenzposten lahm legt.

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Geschichten

Indigener Stolz und die Mitte der Welt: Der Markt von Otavalo

Otavalo Markt

„Sie betrachten ein Werk von 1613, an dem hunderte versklavte indigene Männer, Frauen und Kinder arbeiteten.“ Mit diesen Worten wird man am Wasserfall Peguche in Otavalo im Norden von Ecuador empfangen, wo eine Art Aquädukt den Eingang markiert. Na und, mag man denken, ist doch normal, dass den Indigenen hin und wieder ein Denkmal gesetzt wird, schließlich haben sie genug durchlebt. Doch mit ein bisschen Lateinamerika-Erfahrung kommt man nicht umhin, sich zu wundern. All die kolonialen Prunkbauten, die riesigen goldgeschmückten Kirchen, die kolossalen Denkmäler in lateinamerikanischen Städten – sie wurden alle von Indigenen gebaut, und das weder freiwillig noch im Mindesten zu fairen Arbeitsbedingungen. Einen Hinweis, ein Schild, eine kleine Plakette sucht man dennoch vergeblich. In Kirchenführungen wird möglicherweise erwähnt, dass es Indigenen früher verboten war, die Messen zu besuchen. Dass sie die Kirchen trotzdem bauen mussten – darüber spricht man nicht.

In Otavalo dagegen spricht man nicht nur darüber, man schreibt es in goldenen Lettern auf ein großes Holzschild und stellt es mitten vor eine der wichtigsten Attraktionen des Ortes, so dass niemandem entgehen kann: Hier ist etwas anders. Weiterlesen

Geschichten

Da, wo die Wale geboren werden

Puerto Lopez Ecuador

Ich steige in ein Mototaxi und fühle mich angekommen. Der Wind, der die Haare zerzaust, der Staub, der durch die Ritzen kriecht, das Ruckeln auf den ungeraden Straßen, die die dreirädrigen Gefährte häufig zum äußersten Wanken bringen und sie manchmal auch umkippen lassen. Ich folge dem Rauschen des Meeres hinunter zum Strand, brauner Sand, graublaue Weite, helle Gischt. Fast niemand ist unterwegs, einsame Fischerboote wackeln auf den Wellen oder stehen verlassen im Sand, blau, grün und gelb getüncht, mit Zeichnungen von Fischen und religiösen Namen versehen. Welle um Welle erreicht den Strand und gleitet wieder zurück in den Pazifik, diese endlose Wassermasse, die mehr als ein Drittel der Erde einnimmt. Palmen schütteln ihre Blätter im Seewind, Pelikane halten mit eleganten Flügelschlägen dagegen. Obwohl keine Sonne scheint und es Winter ist, haut einen die Hitze einfach um, T-Shirts und Flip-Flops sind hier im gesamten Jahr der Dresscode, wobei: Die Herren verzichten auch gerne auf Letzteres und recken einem ihre Wampe entgegen. Träge liegt ein Hund am Straßenrand, wie so oft fragt man sich, ob er überhaupt noch atmet. Weiterlesen

Geschichten

Ein ABC der Berge: Die Gipfel Ecuadors

Ecuador Reiseberichte

Natürlich wusste ich: Ich ziehe nicht nur in ein Land, in dem es hohe Berge gibt – ich ziehe mitten in die hohen Berge. Doch 2.800 Meter, die Höhe, auf der Quito liegt, das hört sich als Zahl verdammt abstrakt an. Zweitausendachthundert, das ist fast so hoch wie die Zugspitze, doch dank des Tropenklimas in Ecuador weder ganzjährig voller Schnee noch lebensunfreundlich, ganz im Gegenteil. Aufgrund eines kleinen politisch-geographischen Tricks (La Paz ist in Bolivien nämlich nicht Hauptstadt, sondern nur Regierungssitz) ist Quito damit die am höchsten gelegene Hauptstadt der Welt.

Wie ist es, in der höchstgelegenen Hauptstadt der Welt zu leben? Viele haben bei der Ankunft erst einmal Probleme, Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwäche. Ich muss zum Glück nur aufpassen, dass ich nicht zu schnell laufe, weil mir sonst die Luft wegbleibt. War das damals auch so, als ich als Kind auf der Zugspitze stand? Ich kann mich nicht erinnern. Dafür staune ich über die Wolken, die jeden Tag so plastisch, so greifbar, so nah aussehen, und über die Gewitter, die plötzlich über Quito hereinbrechen und bei denen man sich selbst von zu Hause aus auf unheimliche Weise mitten im Geschehen fühlt. Ich lerne die Aussicht über das Tal nebenan zu lieben, wenn dort tief die Wolken hängen und im Hintergrund die Gipfel auftauchen, und kann nach und nach die Namen der einzelnen schneebedeckten Spitzen aufzählen. Alle sind sie Vulkane, die meisten davon aktiv, manche davon sind erst in den letzten Jahren ausgebrochen, hier geht es um Risikomanagement und Evakuierungspläne. In den Bergen zu leben, in Ecuador heißt das, mit den Bergen zu leben. Weiterlesen

Impressionen

Meine Lieblingsfotos 2016/1

Lieblingsfotos 2016

Halbjährlich grüßt das Murmeltier – oder, besser gesagt, die Blogparade von Michael vom Blog Erkunde die Welt. In der ruft er die Blogger-Welt dazu auf, ihre schönsten Fotos der vergangenen sechs Monate noch einmal zu präsentieren. Die waren bei mir ganz schön ereignisreich, nicht nur, aber vor allem, weil ich sie in fünf Ländern auf drei Kontinenten verbracht habe – Umzüge, Abschiede, Wiedersehen haben einige psychische Kerben hinterlassen, und kurz gesagt ist das auch der Grund dafür, dass mein letzter Blogartikel bereits mehr als drei Wochen zurückliegt. Quito hat mich nämlich nicht nur als Stadt verzaubert, sondern ich habe dort auch so einige wirklich wunderbare Menschen kennen gelernt, die ich in nächster Zeit irrsinnig vermissen werde. Zum Glück gibt’s dafür eine Lösung – sparen, sparen, sparen, und nächstes Jahr zurückkommen! Weiterlesen

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