Kategorie: Gedanken

Gedanken

Quer durch die Alpen, Teil 3: Nachhaltig unterwegs

nachhaltige Mobilität Alpen

Es mag paradox oder vielleicht sogar heuchlerisch erscheinen, doch in meinem Umfeld kenne ich viele Menschen, die viel reisen – und die trotzdem ein großes Interesse an Umweltschutz und Nachhaltigkeit haben. Vielleicht liegt es daran, dass uns der Planet, auf dem wir leben, je mehr am Herzen liegt, desto mehr wir von seiner Schönheit gesehen haben? Oder wir wollen, anders herum, mehr sehen von dieser Welt, die wir ohnehin als wichtig und schützenswert erachten? Vielleicht hat es auch was Apokalyptisches – wer sich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt, der weiß, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis Gletscher und Wälder verschwinden oder gar ganze Städte und Inseln untergeht, und macht sich deswegen fix auf den Weg.

Egal, was der Grund ist – wir wissen alle, dass reisen schlecht für die Umwelt ist. Und um soziale oder ästhetische Folgen von Massentourismus zu erleben, reicht ein Blick ans Mittelmeer. Andererseits gibt es auf der ganzen Welt Länder, Regionen und Orte, deren Wirtschaft zu einem riesigen Teil vom Tourismus abhängt – oder bei denen der Tourismus einen großen Teil zur Entwicklung beiträgt. Die gute Nachricht für alle, die viel unterwegs sind: Es gibt nicht nur schwarz und weiß, und Zuhausebleiben ist nicht die eine Lösung. Weiterlesen

Gedanken

Reiserückblick, Reisepläne, Reiseträume – Worte zum Jahresende

jahresrückblick reiseblog

Ich bin 2016 so viel gereist wie noch nie zuvor in meinem Leben. Zähle ich Deutschland mit, habe ich das Jahr in 12 verschiedenen Ländern verbracht und drei verschiedene Kontinente gesehen. Ich bin dem Polarkreis nahe gekommen und habe mehrfach den Äquator überquert. Sechs der Länder habe ich dabei zum allerersten Mal besucht. Dazu kamen mindestens sieben Reisen innerhalb von Deutschland – die gingen von Ost nach West und von der Mitte Deutschlands bis ganz in den Süden. Ganz ehrlich, wenn ich das so schwarz auf weiß geschrieben sehe, fällt mir auf, was für ein Wahnsinn das ist.  Weiterlesen

Gedanken

Reisen an Weihnachten

Wer viel reist, freut sich über jeden Feiertag. Ostern, Pfingsten, der dritte Oktober oder Allerheiligen zählen wahrscheinlich zu den beliebtesten Reisetagen im Jahr. An Weihnachten bekommen wir sogar zwei Feiertage, plus, falls man länger verreisen möchte, den 1. Januar hinten dran. Doch an Weihnachten verreisen, geht das überhaupt?! Oder anders gesagt: Will man das wirklich? Ich habe ein paar Bloggerinnen und Blogger gefragt, ob sie an Weihnachten schon einmal verreist sind und die verschiedenen Geschichten und Gedanken in diesem Artikel zusammengefasst. Viel Spaß beim Lesen – mit diesem Beitrag nehme ich übrigens an einem Blogger-Adventskalender teil, zu dem ihr unten mehr Informationen findet. Weiterlesen

Gedanken

Faszinierende Felsen, oder: Wie wir Orte nutzen

Externsteine

„Wir gehen unten rum, da tauchen die Steine so imposant vor uns auf!“ Man sollte meinen, nach einer solchen Ankündigung wird jede Sehenswürdigkeit weniger beeindruckend. Und doch: Als wir aus dem kleinen Waldstück heraustreten und zwischen den Blättern vor uns auf einmal die Felsentürme emporragen sehen, kommen wir aus dem Staunen erst einmal nicht mehr heraus.

Die Externsteine im Teutoburger Wald leben wohl von ihrem Überraschungseffekt: Sie erheben sich so plötzlich aus dem umliegenden Wald, dass man überhaupt keine Vorstellung davon hat, wie sie entstanden sein könnten. Als hätte jemand die Steine vor langer Zeit bestellt und vergessen, sie irgendwo zu ihren Artgenossen zu bringen. Oder als wären ein paar riesige Wanderer auf dem Weg von Hannover nach Paderborn versteinert worden.

Dreizehn einzelne, relativ frei stehende Felsen, der höchste ragt beinahe fünfzig Meter in die Luft. Erosionsprozesse haben ungewöhnliche, teils bizarr anmutende Formen hineingeschliffen.

So weit die Fakten. Doch klar, dass es bei so einem ungewöhnlichen Naturwunder niemals bei den reinen Fakten bleibt. Weiterlesen

Gedanken

Warum wir alle mehr durch Deutschland reisen sollten

reisen in Deutschland

Wer viel in der Welt unterwegs ist und sich traut, näher hinzusehen, der lernt viel über verschiedene Kulturen. Im Idealfall sind Menschen, die viel reisen, tolerant und haben nach jeder Reise ein differenzierteres Bild von der Welt. Wer etwas kennen lernt, hat schließlich normalerweise weniger Angst davor.

Vielen gilt dies sogar als ein Grund, warum sie immer wieder aufbrechen: Sie wollen sich dem Neuen, Ungewohnten aussetzen, Menschen mit ganz anderen Hintergründen kennen lernen und sich deren Geschichten anhören. Weiterlesen

Gedanken

Wir Ländersammler. Eine offene Entschuldigung

Schultafel Globus

Dieser Artikel enthält Werbung! Genauere Infos dazu findest du am Ende des Textes.

Ich muss mich hiermit kurz outen. Einmal vorweg: Ich reise, weil ich wissen möchte, wie es woanders aussieht, weil ich spannende Natur erleben möchte, weil ich Spaß und Abwechslung suche, weil ich Freunde in anderen Ländern habe oder weil es sich einfach so ergibt. Ich reise vergleichsweise langsam und interessiere mich wenig für Sehenswürdigkeiten. Ich bemühe mich, die jeweiligen Länder und Orte zu verstehen, interessiere mich für Kultur, Geschichte, Politik und Architektur. Und doch besitze ich eine Rubbelkarte, auf der ich besuchte Länder freilegen kann. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich ein Zug- oder Flugticket in ein Land buche, das ich noch nie zuvor betreten habe. Und ich halte regelmäßig inne, um nachzuzählen, wie viele Länder ich bisher bereist habe. Es ist keine Zahl, mit der es sich anzugeben lohnt, aber ich freue mich trotzdem, wenn sie wächst. (Spoiler: Es sind mittlerweile so viele Länder, wie ich Jahre alt bin!) Ich erzähle gern von meinen Reisen und von meiner Zeit in Südamerika und mir ist schon mehr als einmal aufgefallen, dass ich damit ziemlich altklug und arrogant klingen kann. Ich kaufe Avocados und Mangos im Supermarkt, auch wenn mein Geldbeutel darüber weint, und bestelle mir ab und an peruanische Chilipasten oder Süßigkeiten im Internet. Mein WG-Zimmer ist voller Souvenirs aus Peru und China und Reiseführern zu Südamerika oder Portugal. Weiterlesen

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Grenzgänge: Im Nirgendwo zwischen Ecuador und Peru

Lambayeque Peru

„Por qué será que los ecuadorianos son unos sinverguenzas?“, warum sind die Ecuadorianer nur so unverschämt? Die Grenzbeamte schüttelt den Kopf und sieht auf mich herunter. Ich zucke mit den Schultern und bete innerlich, sie möge mir doch einfach schnellstmöglich einen Stempel in den Pass drücken. Unverschämt, damit meint sie ein älteres Ehepaar, das gerade an die Beamte herantrat, um sich über die lange Warteschlange zu beschweren. Ein paar Meter weiter erneute Diskussionen, es geht tatsächlich darum, dass man zum Überqueren ein kleines Formular ausfüllen muss, das die Beamten sechsmal auf eine Seite gedruckt haben. Da es keine Schere gibt, um aus einem Blatt sechs zu machen und diese den Leuten in die Hände zu drücken, müssen erst mal alle in Ecuador bleiben, rechtlich zumindest, faktisch stehen wir schon auf peruanischem Boden. „Son unos sinverguenzas sí o no?“, sie sind unverschämt, oder?, schiebt die Frau hinterher und wirft einen bitterbösen Blick auf die Diskutierenden. Ich versuche zu beschwichtigen und erkläre, dass wir alle gestresst sind aufgrund der Schlange, die bis zur Straße hinaus reicht. Tatsächlich frage ich mich, wie es sein kann, dass das Fehlen einer Schere einen ganzen Grenzposten lahm legt.

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Gedanken

Was wir wirklich meinen, wenn wir „authentisch“ sagen

Es gibt wohl im Bezug auf das Thema Reisen kaum ein Wort, das so inflationär verwendet wird und dennoch so sehr jeglicher Bedeutung entbehrt wie „authentisch“. Gerade Individualreisende und Backpacker scheinen hauptsächlich loszuziehen, um das zu finden, was „authentisch“ ist. Authentisches Essen, authentische Kleidung und authentische Menschen in einer authentischen Straßenszene. Manchmal kommt es mir so vor, als ob das Wörtchen längst zu einem Kampfbegriff geworden ist, gegen Pauschaltouristen, die in einer Palmen-Scheinwelt leben, gegen alle, die irgendwie „falsch“ reisen oder gar, huch, Urlaub machen!

Gerade bei Backpackern in Lateinamerika grassiert die Idee der Suche nach der Authentizität, nach dem Echten. Doch was ist eigentlich echt, wenn die gesamte Reiseindustrie im Prinzip Scheinwelten vermarktet? Ulrike vom Bamboo Blog hat zu einer sehr spannenden Blogparade aufgerufen – und ich möchte versuchen, ihre Ausgangsfrage zu beantworten: Authentizität auf Reisen, was ist das eigentlich? Weiterlesen

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Gretchenfrage

Iglesia La Compania Quito

In Deutschland muss ich über Religion nicht diskutieren. Meine Freunde denken wie ich oder zumindest so ähnlich, sind vielleicht getauft und gar konfirmiert, waren aber zuletzt bei der Hochzeit der Cousine oder mit der Schulklasse in einem Gottesdienst. Die Kirche ist ein schwieriger Verein, denken wir, sie mag vielleicht Menschen Trost spenden, aber gleichzeitig ist sie eine Brutstätte für Machismen, seltsame Hierarchien und schlimme Dinge, die sich daraus ergeben. Meine Freunde, sie sind vielleicht gläubig, aber die meisten im Sinne von „Ich glaube an etwas, das da ist, nicht an eine Institution“, einige sind aus der Religion ausgetreten, der sie durch ihre Eltern angehörten, und diejenigen, die in Ostdeutschland aufgewachsen sind, wissen nicht einmal, warum der Pfingstmontag ein Feiertag ist.

Kurz gesagt: In Deutschland werde ich höchstens vom Finanzamt gefragt, welcher Religion ich angehöre. Glaube, oder in meinem Fall Nichtglaube, spielt absolut keine Rolle in meinem Leben. Meine Meinung zum Thema Religion kann ich so simpel halten, weil ich mich seit Jahren nicht mehr damit auseinandersetzen musste: Ich glaube höchstens an das Gute im Menschen, alle anderen können glauben, was sie wollen, solange sie damit niemandem Schaden zufügen.

Ganz anders ist das hier in Südamerika. Auf die eine oder andere Weise dringt die Religion hier in so viele Bereiche des Alltags ein, dass man auf einmal gezwungen ist, sich tiefer mit ihr auseinanderzusetzen. Eine kleine Suche nach Antworten – und eine große Verwirrung. Weiterlesen

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„Buen Vivir“ – Ein Recht aufs gute Leben?

Landschaft Anden

Wenn man sich im Politikstudium mit so „exotischen“ Themen wie dem „Buen Vivir“, indigenem Wissen oder sozialen Bewegungen in den Andenländern Südamerikas beschäftigt, bekommt man oft verwirrte Blicke zugeworfen. So auch beinahe jedes Mal, wenn ich erklärte, dass es in meiner Bachelorarbeit um indigene Justiz in Bolivien geht. Hä? Was ist eigentlich indigen? Was hat das mit Politik zu tun? Und warum interessiert dich das überhaupt?

Wenn ich dann ein bisschen weiter erzähle und von der aktuellen politischen Situation verschiedener Länder in Südamerika berichte, habe ich schließlich doch oft das Interesse meines Gegenübers geweckt. Bolivien, Ecuador, Peru – das sind schließlich Länder, bei denen man eher Lamas und Panflöten im Kopf hat als innovatische politische Ideen.

So kam mir der Einfall, doch auch einmal auf dem Blog über die Themen zu schreiben, mit denen ich mich im Studium und darüber hinaus beschäftige – natürlich etwas anders verpackt als in Hausarbeiten & Co. Den Anfang möchte ich mit diesem Artikel zum Thema „Buen Vivir“ machen. Weiterlesen