Schlagwort: Deutschland

Geschichten

Berge, Freiheit und Feinmechanik: Die „Mächler“ in Pfronten

Mächler Pfronten

Handwerk fasziniert mich. Das mag ganz grundsätzlich daran liegen, dass ich zwei linke Hände habe und durch meine Berufswahl immer hinter dem Schreibtisch sitzen werde – und ich es daher doppelt faszinierend finde, wie Menschen aus ganz einfachen Materialien die spannendsten Dinge erschaffen. So richtig präsent wurde mir das Thema jedoch erst, als ich meine Bachelorarbeit über indigenes, das heißt traditionelles und in bestimmten Bevölkerungsgruppen überliefertes, Wissen schrieb. Dabei ist der Begriff „traditionell“ eigentlich irreführend – es wird nicht nur heute noch angewendet, sondern ist in vielen Elementen, zum Beispiel, was Umweltschutz und Nachhaltigkeit betrifft, modern und zeitgemäß. Traditionell ist eher der Umgang mit dem Wissen, das von einer Generation an die nächste weitergegeben wird. Weiterlesen

Impressionen

Quer durch die Alpen, Teil 2: Staunen in Berchtesgaden

Berchtesgaden Königssee

Wenn man aus so einem Ort wie Bled in Slowenien wegfährt, dann denkt man, es könne nicht mehr besser werden. Und vor allem: auf keinen Fall noch märchenhafter. Und dann steht man in Berchtesgaden.

Okay, ich gebe es zu, ich wundere mich zunächst mal über die Touristenmassen, die zusammen mit mir in Richtung des Bootsanlegers am Königssee strömen. Es ist ein Tag Anfang Oktober, der sich anfühlt wie mitten im November, kalt und grau, und es ist früh morgens. Reisegruppen und Schulklassen zwängen sich in die Boote, Babys werden aus regenschutzfolienbepackten Kinderwägen gezogen. Ich erinnere mich an die vielen Instagram-Bilder und Reiseblog-Fotos vom Königssee, stets in absoluter Einsamkeit, hübsche blonde Bloggerin vor See und Felswand, und muss grinsen. So viel zum Thema falsche Erwartungen. Weiterlesen

Geschichten

Die Geheimnisse der Spielzeugmacher

Spielzeug Erzgebirge

Als ich den Laden betrete, werde ich aus Hunderten von Knopfaugen angestarrt. Teddys, so weit das Auge reicht. Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass ich nicht einer einheitlichen Bärenarmee gegenüberstehe, sondern jeder einen ganz eigenen Charakter hat. Es gibt große Teddys und sehr kleine, es gibt sie in verschiedenen Farben und mit verschiedenen Gesichtsausdrücken, und manche haben sogar noch Bilder und Zeichnungen auf dem Bauch. Bei der Teddymanufaktur Martin gehört das sozusagen zur Geschäftsstrategie: Jeder soll hier „seinen“ Bären finden. Das geht sogar so weit, dass man sich den eigenen Bär individuell aus alten Hemden oder Jeans nähen lassen kann. Weiterlesen

Geschichten

Irgendwann ist immer das erste Mal

Traumpfad Eltzer Burgpanorama

Irgendwann ist immer das erste Mal. Und, auch wenn es mir viele nicht glauben können, bis vor einigen Wochen bin ich noch nie zuvor alleine gewandert. Ich bin bereits mehrmals alleine gereist, doch diese Reisen gingen immer in Städte. Wenn es in die Natur ging, schloss ich mich größeren Gruppen an. Klar, in Deutschland war ich auch häufig alleine spazieren. Aber das waren kurze Strecken, zwei Stunden durch Park und Stadtrand. So richtig für mehrere Stunden mitten in die Natur, ganz ohne jemanden an meiner Seite? Noch nie.

Dass sich das änderte, war letztendlich eher Zufall als fester Beschluss: Ich suchte mir nicht in Cheryl Strayed-Manier einen Weg, der das Land von Nord nach Süd durchquerte, um zu mir selbst zu finden, und ich gelangte auch nicht zu tiefer spiritueller Erkenntnis auf dem Jakobsweg.

Ich bin ins Maifeld gereist und den Traumpfad Eltzer Burgpanorama gewandert. Und danach noch ein bisschen weiter. Und hab dabei tatsächlich so einige Erkenntnisse gewonnen – von denen eine lautet: Alleine wandern ist ziemlich großartig.

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Gedanken

Faszinierende Felsen, oder: Wie wir Orte nutzen

Externsteine

„Wir gehen unten rum, da tauchen die Steine so imposant vor uns auf!“ Man sollte meinen, nach einer solchen Ankündigung wird jede Sehenswürdigkeit weniger beeindruckend. Und doch: Als wir aus dem kleinen Waldstück heraustreten und zwischen den Blättern vor uns auf einmal die Felsentürme emporragen sehen, kommen wir aus dem Staunen erst einmal nicht mehr heraus.

Die Externsteine im Teutoburger Wald leben wohl von ihrem Überraschungseffekt: Sie erheben sich so plötzlich aus dem umliegenden Wald, dass man überhaupt keine Vorstellung davon hat, wie sie entstanden sein könnten. Als hätte jemand die Steine vor langer Zeit bestellt und vergessen, sie irgendwo zu ihren Artgenossen zu bringen. Oder als wären ein paar riesige Wanderer auf dem Weg von Hannover nach Paderborn versteinert worden.

Dreizehn einzelne, relativ frei stehende Felsen, der höchste ragt beinahe fünfzig Meter in die Luft. Erosionsprozesse haben ungewöhnliche, teils bizarr anmutende Formen hineingeschliffen.

So weit die Fakten. Doch klar, dass es bei so einem ungewöhnlichen Naturwunder niemals bei den reinen Fakten bleibt. Weiterlesen

Gedanken

Warum wir alle mehr durch Deutschland reisen sollten

reisen in Deutschland

Wer viel in der Welt unterwegs ist und sich traut, näher hinzusehen, der lernt viel über verschiedene Kulturen. Im Idealfall sind Menschen, die viel reisen, tolerant und haben nach jeder Reise ein differenzierteres Bild von der Welt. Wer etwas kennen lernt, hat schließlich normalerweise weniger Angst davor.

Vielen gilt dies sogar als ein Grund, warum sie immer wieder aufbrechen: Sie wollen sich dem Neuen, Ungewohnten aussetzen, Menschen mit ganz anderen Hintergründen kennen lernen und sich deren Geschichten anhören. Weiterlesen

Geschichten

Die Melancholie des Sommerendes: Radfahren im Allgäu

Pfronten Allgäu

„Heute ist der letzte Tag des Sommers.“ Ich weiß nicht, wie oft ich solche Worte diesen Sommer über gehört habe. Nie haben sie gestimmt – immer wurde es noch einmal warm und sonnig.

Der letzte Tag, das letzte Wochenende des Sommers, so hieß es auch an dem Wochenende, das ich Ende August zusammen mit meinem Freund in Pfronten im Allgäu verbrachte. Diese ganz spezielle „Wenn-nicht-jetzt-wann-dann“-Stimmung des kurzen Sommers in Deutschland und ganz Mittel- und Nordeuropa hatte uns vollkommen ergriffen. Und so schwangen wir uns aufs Fahrrad und erkundeten so viele Orte wie möglich, badeten in jedem See, der sich dafür anbot, legten uns ins frisch gemähte Gras, genossen das Rot des Sonnenuntergangs. Weiterlesen

Geschichten

Gute Gründe für Hannover

Gründe dafür, an ein bestimmtes Ziel zu reisen, gibt es viele. Ein spontan gebuchtes Sonderangebot, der Besuch einer Freundin im Auslandssemester, ein lang gehegter Traum, die Möglichkeit, eine Sprache zu trainieren… Manchmal sind die Gründe auch weniger erzählenswert – zum Beispiel, wenn man sich den Träumen des Reisepartners oder dem Budget fügen und mit einer ungebliebten Alternative Vorlieb nehmen muss. Ich habe viele Reise-Lebensträume, suche mir meine Ziele aber auch oft aus Gründen aus, über die ich mich hinterher selbst wundern muss. Weiterlesen

Erfahrungen

Ein bisschen Meer geht immer

Ich bin ja eigentlich eher ein Berg-Mensch. Klingt vielleicht komisch, aber die Meer- und Strand-Liebe vieler Menschen kann ich nicht so wirklich teilen. Klar, ein Sonnenuntergang mit Palmen über weißem Karibiksand ist schon nett, und es war auch schön, in Peru direkt an der Treppe zum Strand zu wohnen. Außerdem heißt auch für mich „Meer“ direkt Urlaub – der Blick auf die Wellen entspannt schon, das muss ich zugeben. Aber ich schwimme und bade nicht gerne, so fällt das Meer für mich in dieser Hinsicht schon mal flach, und die langen weiten Landschaften, die bei anderen Freiheit hervorrufen, finde ich eher langweilig. Berge und Hügel bieten wenigstens etwas Abwechslung fürs Auge! Weiterlesen

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