Impressionen

China, deine Tempel

Tempel China

Wer von einer Reise zurückkehrt, sagt gern: Es war wie in einer anderen Welt.

Nie kam mir das so berechtigt vor wie in China. Die für Uneingeweihte völlig unverständliche Schrift, bei der es auch für das Lesen von Ortsnamen nicht damit getan ist, ein paar Buchstaben zu erlernen. Das auf den ersten Blick so homogene Bevölkerungsbild, das sich so deutlich von mir unterscheidet, dass ich nicht einmal die geringste Chance habe, nicht sofort als Ausländerin aufzufallen. Und die völlig anderen kulturellen Codes, Symbole und Philosophien.

Wer als Ausländerin nach China kommt, muss notgedrungen seinen Horizont erweitern und feststellen, dass die vermeintlich selben Begriffe hier ganz andere Dinge meinen. Es gibt eine andere Vorstellung von Dimensionen und Größen, von Nation und Nationalität, von Politik und Demokratie – und eben auch von Religion und Philosophie. Weiterlesen

Gedanken

„Buen Vivir“ – Ein Recht aufs gute Leben?

Landschaft Anden

Wenn man sich im Politikstudium mit so „exotischen“ Themen wie dem „Buen Vivir“, indigenem Wissen oder sozialen Bewegungen in den Andenländern Südamerikas beschäftigt, bekommt man oft verwirrte Blicke zugeworfen. So auch beinahe jedes Mal, wenn ich erklärte, dass es in meiner Bachelorarbeit um indigene Justiz in Bolivien geht. Hä? Was ist eigentlich indigen? Was hat das mit Politik zu tun? Und warum interessiert dich das überhaupt?

Wenn ich dann ein bisschen weiter erzähle und von der aktuellen politischen Situation verschiedener Länder in Südamerika berichte, habe ich schließlich doch oft das Interesse meines Gegenübers geweckt. Bolivien, Ecuador, Peru – das sind schließlich Länder, bei denen man eher Lamas und Panflöten im Kopf hat als innovatische politische Ideen.

So kam mir der Einfall, doch auch einmal auf dem Blog über die Themen zu schreiben, mit denen ich mich im Studium und darüber hinaus beschäftige – natürlich etwas anders verpackt als in Hausarbeiten & Co. Den Anfang möchte ich mit diesem Artikel zum Thema „Buen Vivir“ machen. Weiterlesen

Erfahrungen

Die spannendsten und skurrilsten Märkte in Lima

Wenn ich die peruanische Hauptstadt in drei Worten beschreiben müsste, würde ich wohl „vielseitig“, „groß“ und „chaotisch“ wählen. Wer alle drei Eigenschaften zur gleichen Zeit erleben möchte, muss nur einen der vielen Märkte in Lima besuchen. Ob man etwas braucht oder nicht, ist dabei zweitrangig, denn die meisten Märkte sind für sich schon ein richtiges Erlebnis. Besonders Freitagabend und am Wochenende treten sich die Menschen fast gegenseitig auf die Füße, alles um einen herum wuselt und alle paar Meter läuft unterschiedliche Musik. Reizüberflutung total – und an jeder Ecke neue Skurrilitäten. Weiterlesen

Geschichten

So einfach kann es sein: Unterwegs rund um Aberystwyth

Keine Vorstellung, keine Erwartungen. In etwa so bin ich an unsere Zeit in Wales herangegangen. Okay, ich hatte einen Reiseführer durchstöbert, einen Wanderführer gekauft und ein paar Artikel auf Reiseblogs gelesen, aber das war es dann auch. Ich hatte keine Sehenswürdigkeiten im Kopf, die ich besuchen wollte, und keinen konkreten Plan für die Zeit in dem kleinen Land. Vielleicht liegt meine Begeisterung für unsere Reise genau darin – Leben von Tag zu Tag, den Kopf frei von Plänen, sehen, was kommt, ist es nicht das, was wir uns von einer Reise wünschen, besteht die Abwechslung vom Alltag, die wir wollen, nicht genau darin? Weiterlesen

Geschichten

Zwei Seen und das Meer: Die Cregennan Lakes

Die Straße schlängelt sich zwischen Hügeln hindurch und scheint immer schmaler zu werden. Rechts und links ist sie von niedrigen Mauern aus gestapelten Schieferstücken oder Zäunen begrenzt – würde uns jetzt ein Auto entgegenkommen, wir müssten ein ganzes Stück rückwärts fahren. Doch wie so oft in Wales sind wir die einzigen weit und breit. Weiterlesen

Geschichten

Der nicht ganz so geheime Blue Lake

„Da fahren wir heute hin!“, sagt mein Freund neben mir bestimmt und reißt mich aus meinen Gedanken. Während ich die Nase in unseren Wanderführer gesteckt habe, sitzt er mit dem Tablet in der Hand auf dem Bett und hält mir einen Blogartikel hin, der von einem Ort erzählt, den angeblich nicht einmal die Locals kennen: dem Blue Lake, einen durch Mineralien dunkelblau gefärbten See inmitten einer alten Schiefermine. Weiterlesen

Geschichten

Auf zum Sitz des Riesen: Wandern in Cadair Idris

Kaum verwunderlich, dass sich um viele Gebirge Sagen und Legenden ranken. Spontan auftretende Gewitter, sich ständig verändernde Himmelsfarben, Hausdächer zerstörender Hagel – für solche Naturphänomene suchen Menschen nach Erklärungen, und ungewöhnliche, besonders extreme Wetterlagen treten eben gehäuft in extremen Landschaften auf. Weiterlesen

Gedanken

Warum Freiwilligenarbeit auf Reisen oft die schlechteste Idee ist

Weit weg von Zuhause auf Elefanten reiten, am Strand entspannen und gleichzeitig etwas Gutes tun, etwas in der Welt verändern – für viele junge Leute klingt das wie der Inbegriff einer perfekten Fernreise. Nicht nur NGOs, sondern auch zunehmend Reiseveranstalter springen auf diesen Zug des „Volontourism“ auf und bieten Komplettprogramme an. Einen Monat im Waisenhaus in Uganda aushelfen, eine Woche Holzhütten bauen in Costa Rica, zwei Wochen Englischunterricht halten in Indien… Die Liste an Aktivitäten ist lang, doch die Werbung sieht für die meisten Angebote ähnlich aus: Schwarze Kinder tummeln sich um eine weiße blonde Freiwillige oder hören dieser geduldig beim Unterricht zu, dazwischen ein paar Naturaufnahmen, neue Freunde vor Safari-Kulisse.Die Programme der Veranstalter laufen oft sogar unter Schlagwörtern wie „ethischer Tourismus“ oder Nachhaltigkeit. Doch gut gemeint ist oft sehr weit weg davon, wirklich gut zu sein. Kurzzeit-Freiwilligenarbeit auf Reisen schadet zumeist mehr, als dass sie nützt. In diesem Artikel möchte ich ein paar Argumente liefern und versuchen, dir Auswahlkriterien an die Hand zu legen, falls du doch einmal auf Reisen in einem Freiwilligenprojekt mitarbeiten möchtest.

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Geschichten

„Das ist dann eine Sache zwischen dir, der Spinne und dem Karma!“

Julia von Bezirzt erzählt auf ihrem Blog oft Geschichten, bei denen mir der Atem stockt, so spannend und nervenaufreibend sind sie. In ihren Berichten erzählt sie auch offen von ihren Ängsten und Sorgen und geht damit, wie ich finde, sehr reflektiert um. Als sie eine Blogparade zum Thema „Wenn Reisen Angst macht“ ins Leben rief, wollte ich daher unbedingt teilnehmen.

Ich war bisher auf Reisen, vor allem in Peru und Ecuador, aber auch in Deutschland, wie beispielsweise bei meiner Tramp-Erfahrung von Jena nach Berlin, öfter mal in Situationen, in denen ich Angst hatte. Oder in denen ich vielleicht auch keine hatte, obwohl ich welche hätte haben sollen. Und immer ist alles gut ausgegangen – oft sogar ein bisschen zu gut bei ein bisschen zu viel Leichtsinn, so als wollte mir jemand ein Zeichen geben, dass ich einen Schutzengel besitze. Weiterlesen

Gedanken

Wie „wir“ über „die“ schreiben: Gedanken zur Sprache in Reiseberichten

Ich fürchte, mit diesem Post werde ich manchen Menschen auf die Füße treten, und veröffentliche ihn trotzdem. Weil er mir wichtig ist. Weil es um etwas geht, mit dem ich mich häufig beschäftige: Wie erzähle ich von meinen Reisen und meinem Auslandsjahr? Was für ein Bild vermittle ich als Deutsche, als weiße Person von Peru und von „den Peruanern“, von Spanien, von Portugal oder Slowenien, wenn ich erzähle und schreibe? Im kleinen Kreis ist mir das immer schon ein wichtiges Thema, schließlich sehe ich meine Reisen und die Zeit, die ich im Ausland verbringe, immer auch als eine Möglichkeit, zu lernen, Erfahrungen zu machen und diese auch an meine Mitmenschen weiterzugeben. Im großen Kreis, namentlich auf diesem Blog mit doch ein paar Lesern im Monat, ist die Beschäftigung mit der Frage „Wie erzähle ich und welches Bild vermittle ich?“ mir ein entscheidendes Thema. Mit Reichweite kommt Verantwortung, und Verantwortung heißt nicht nur, die Wahrheit zu schreiben, sondern auch darauf zu achten, wie das Land, über das man schreibt, auf die Leserinnen und Leser, die noch nie dort waren, wirken mag. Weiterlesen