Schlagwort: Politik

Gedanken

Grenzgänge: Im Nirgendwo zwischen Ecuador und Peru

Lambayeque Peru

„Por qué será que los ecuadorianos son unos sinverguenzas?“, warum sind die Ecuadorianer nur so unverschämt? Die Grenzbeamte schüttelt den Kopf und sieht auf mich herunter. Ich zucke mit den Schultern und bete innerlich, sie möge mir doch einfach schnellstmöglich einen Stempel in den Pass drücken. Unverschämt, damit meint sie ein älteres Ehepaar, das gerade an die Beamte herantrat, um sich über die lange Warteschlange zu beschweren. Ein paar Meter weiter erneute Diskussionen, es geht tatsächlich darum, dass man zum Überqueren ein kleines Formular ausfüllen muss, das die Beamten sechsmal auf eine Seite gedruckt haben. Da es keine Schere gibt, um aus einem Blatt sechs zu machen und diese den Leuten in die Hände zu drücken, müssen erst mal alle in Ecuador bleiben, rechtlich zumindest, faktisch stehen wir schon auf peruanischem Boden. „Son unos sinverguenzas sí o no?“, sie sind unverschämt, oder?, schiebt die Frau hinterher und wirft einen bitterbösen Blick auf die Diskutierenden. Ich versuche zu beschwichtigen und erkläre, dass wir alle gestresst sind aufgrund der Schlange, die bis zur Straße hinaus reicht. Tatsächlich frage ich mich, wie es sein kann, dass das Fehlen einer Schere einen ganzen Grenzposten lahm legt.

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Gedanken

„Buen Vivir“ – Ein Recht aufs gute Leben?

Landschaft Anden

Wenn man sich im Politikstudium mit so „exotischen“ Themen wie dem „Buen Vivir“, indigenem Wissen oder sozialen Bewegungen in den Andenländern Südamerikas beschäftigt, bekommt man oft verwirrte Blicke zugeworfen. So auch beinahe jedes Mal, wenn ich erklärte, dass es in meiner Bachelorarbeit um indigene Justiz in Bolivien geht. Hä? Was ist eigentlich indigen? Was hat das mit Politik zu tun? Und warum interessiert dich das überhaupt?

Wenn ich dann ein bisschen weiter erzähle und von der aktuellen politischen Situation verschiedener Länder in Südamerika berichte, habe ich schließlich doch oft das Interesse meines Gegenübers geweckt. Bolivien, Ecuador, Peru – das sind schließlich Länder, bei denen man eher Lamas und Panflöten im Kopf hat als innovatische politische Ideen.

So kam mir der Einfall, doch auch einmal auf dem Blog über die Themen zu schreiben, mit denen ich mich im Studium und darüber hinaus beschäftige – natürlich etwas anders verpackt als in Hausarbeiten & Co. Den Anfang möchte ich mit diesem Artikel zum Thema „Buen Vivir“ machen. Weiterlesen

Geschichten

Warum Paris meine Welt erschüttert

Ich bin 1993 geboren. Die Medien und auch manche Soziologen würden mich damit der „Generation Y“ zurechnen. Schaut man auf Wikipedia nach, ist der erste Punkt, der mich und meine Altersgenossen charakterisiert, unsere Krisenerprobtheit. Wir haben in jungen Jahren den 11. September vor unseren Bildschirmen erlebt und bekamen ständig Nachrichten von Krieg und Terror direkt in unsere Wohnzimmer. Die Wirtschaftskrise hat uns dann noch gezeigt, dass Lebensplanung oft sinnlos ist und wir uns auf nichts wirklich verlassen können.

Nun, ich habe mich noch nie sehr krisenerprobt gefühlt. Weiterlesen

Gedanken

Ein bisschen Frieden. Ein paar Argumente

Dieser Blog ist kein Politik-Blog und soll es auch nicht werden. Schon oft habe ich im vergangenen Jahr überlegt, ob ich trotzdem mal meine Meinung kund tun soll zum einen oder anderen Thema. Schließlich steht mein Reiseblog für Offenheit, Toleranz und Neugierde allem vermeintlich Fremden gegenüber, ich möchte meine eigenen Beiträge kritisch auf rassistische und verallgemeinernde Formulierungen untersuchen und zeigen, dass viele Orte und vor allem Menschen auf der Welt absolut nicht unseren Vorstellungen und Klischees entsprechen. Trotzdem bin ich zumindest auf heldenwetter stumm geblieben, als abartig viele Menschen mit rassistischen und rechtsextremen Parolen durch Dresden zogen, als die Politik in Deutschland Serbien, Bosnien-Herzegowina und Montenegro zu so genannten „sicheren Drittstaaten“ erklärte und dabei sogar die Grünen mitstimmten, und auch, als Asylbewerberunterkünfte brannten. Ich hatte Angst, meine Leser zu überfordern oder Debatten anzustoßen, denen ich nicht gerecht werden kann. Ich glaube, mein Politikwissenschafts-Hintergrund macht es für mich noch schwieriger, einen Blogpost zu so einem Thema zu schreiben – wie viel Hintergrundwissen kann ich von meinen Lesern erwarten, ab wann wird es den meisten zu langweilig?!

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Gedanken

Wie „wir“ über „die“ schreiben: Gedanken zur Sprache in Reiseberichten

Ich fürchte, mit diesem Post werde ich manchen Menschen auf die Füße treten, und veröffentliche ihn trotzdem. Weil er mir wichtig ist. Weil es um etwas geht, mit dem ich mich häufig beschäftige: Wie erzähle ich von meinen Reisen und meinem Auslandsjahr? Was für ein Bild vermittle ich als Deutsche, als weiße Person von Peru und von „den Peruanern“, von Spanien, von Portugal oder Slowenien, wenn ich erzähle und schreibe? Im kleinen Kreis ist mir das immer schon ein wichtiges Thema, schließlich sehe ich meine Reisen und die Zeit, die ich im Ausland verbringe, immer auch als eine Möglichkeit, zu lernen, Erfahrungen zu machen und diese auch an meine Mitmenschen weiterzugeben. Im großen Kreis, namentlich auf diesem Blog mit doch ein paar Lesern im Monat, ist die Beschäftigung mit der Frage „Wie erzähle ich und welches Bild vermittle ich?“ mir ein entscheidendes Thema. Mit Reichweite kommt Verantwortung, und Verantwortung heißt nicht nur, die Wahrheit zu schreiben, sondern auch darauf zu achten, wie das Land, über das man schreibt, auf die Leserinnen und Leser, die noch nie dort waren, wirken mag. Weiterlesen

Gedanken

Konsum als Erlebnis? Zur Kurzlebigkeit der Modewelt

Fair, nachhaltig, ökologisch… Dass es nicht einfach ist, diese Punkte im Alltag zu berücksichtigen, weiß wohl jeder. Schließlich hat jeder Mensch begrenzte Ressourcen und schon allein die Beschäftigung damit, was denn nun ethisch vertretbar ist und was nicht, sprengt meist den Rahmen. Besser die Bio-Äpfel aus Neuseeland oder die konventionellen aus der anderen Ecke Deutschlands? Das eigene Geld in eine teure Fair Trade-Jacke investieren oder lieber die günstige vom Modeschweden kaufen, um nächste Woche im Bioladen einkaufen zu können? Und hat das Gute, was ich tue, überhaupt einen Effekt auf die Welt? Weiterlesen

Erfahrungen

Menü aus dem Mülleimer

Dass auf der Welt, vor allem in den Ländern des Nordens, ziemlich viel Essen weggeschmissen wird, ist kein Geheimnis. Der Großteil davon erfolgt in Privathaushalten. Wer nicht mehr bei den Eltern wohnt, kennt das ja selbst – die Augen waren mal wieder größer als der Magen, das ganze Gemüse sah so schön lecker und gesund aus, drei Tage das selbe zu essen ist langweilig, und schwupps, ist wieder irgendetwas verschimmelt. Mir geht es selbst ganz oft so, und ich schäme mich immer ziemlich, wenn mal wieder eine Packung Käse oder eine halbe Paprika in den Müll wandert. In Zukunft möchte ich auch unbedingt versuchen, meine Einkäufe besser zu planen und die Dinge, die ich nicht brauche, rechtzeitig an Mitbewohner oder Nachbarn zu verschenken. Weiterlesen

Geschichten

Von der Schwierigkeit des Heldinnen-seins

Dieser Beitrag ist Teil der Blogparade „Alltagshelden“ – die gesamte Liste mit allen Posts findet ihr hier. Morgen geht es übrigens bei Flo weiter und übermorgen bei Chiara.

Als ich noch zur Schule ging, hatte ich relativ klare Vorstellungen davon, was gut und was schlecht war. Und ich hatte keine Probleme, meine Überzeugungen zu vertreten. Ich wurde Vegetarierin, schraubte meinen Konsum auf ein Minimum herunter, kaufte vieles Bio und Fair Trade, und verbrachte fast die gesamte Zeit, die mir neben der Schule blieb, mit diversen politischen Aktivitäten, vor allem im Bildungsstreik und bei der Grünen Jugend. Das ging so in etwa ein Dreivierteljahr lang gut – dann ging erst mal das Abitur vor, ich brauchte außerdem viel Zeit für mich. Nach meinem achtzehnten Geburtstag wurde erst einmal ein Monat quasi durchgefeiert. Und dann ging es für mich ab nach Peru. Dort habe ich alles Politische erst einmal zur Seite geschoben, um alle Eindrücke in mich aufnehmen und verarbeiten zu können. Weiterlesen

Gedanken

3 Things we should re-think about the world

To this post, I was kind of inspired by Miss Peppermint. In my interview with her, I asked her what kind of topics she would like to read more about in other blogs. She answered that she is interested in what other people are „fighting for“, what kind of topics move them. I have a lot of topics that matter to me, but returning from Peru and having attended a lot of seminars about racism that really made me re-think my education and thought patterns, one of the topics I want to fight for is how we, Europeans and North Americans, better known as „the West“ are seeing „the rest“, or correctly said, countries of the Global South.

This blog entry isn’t meant like a accusation. It’s only supposed to give everyone who never had contact to the topic of racism something to think about. Weiterlesen