Schlagwort: Gedanken

Gedanken

Bloggen, Transparenz und Authentizität: Ein Ausblick

Vögel Himmel

Die Blog-Welt folgt manchmal ganz eigenen Jahreszeiten. Nach der Adventszeit, in der viele Blogs vor Gewinnspielen überquillen, geht es nach ein paar Tagen Weihnachtsruhe ohne Umschweife in den Jahresrückblicks-Flash. Was waren die besten Artikel, die beliebtesten Fotos? Wie haben sich die Statistiken und die Follower-Zahlen entwickelt? Welche Reise war die schönste, die längste oder die weiteste? Was ist einem persönlich passiert? Und was ist für 2016 geplant, wo soll es hingehen?

Auf meinem eigenen Blog war es stattdessen ruhig. So gern ich es mag, zum Jahresende auf das Vergangene zurückzublicken und mich aufs Neue zu freuen, so schwer hätte ich es dieses Jahr gefunden, einen Jahresrückblick zu schreiben. Denn für mich selbst war dieser 31. Dezember kein Zeitenwechsel und kein einschneidender Punkt, im Gegenteil. 2016 statt 2015, die Änderung der Zahl am Ende des Datums scheint mir dieses Jahr das einzige zu sein, was um Mitternacht passiert ist. All die Nostalgie, das Pläneschmieden, die Gedanken, die mich sonst zu dieser Jahreszeit umtreiben, sind dieses Jahr ausgeblieben. Und 2015 war ein gutes, aber ruhiges Jahr, ein Jahr ohne Höhen und Tiefen, ein Jahr voll leisem Glück.

Auch, wenn ich selbst keinen geschrieben habe, habe ich viele Jahresrückblicke auf verschiedenen Blogs gelesen. Und bei dem einen oder anderen sind mir Gedanken wieder gekommen, die mir seit dem Herbst im Kopf herum schwirren und da nachdenkliche Zeilen ja doch irgendwie gut zum Jahresstart passen, pack ich sie jetzt einfach mal aus: Wohin wird sich das Bloggen 2016 und danach meiner Meinung nach entwickeln? Weiterlesen

Geschichten

Warum Paris meine Welt erschüttert

Ich bin 1993 geboren. Die Medien und auch manche Soziologen würden mich damit der „Generation Y“ zurechnen. Schaut man auf Wikipedia nach, ist der erste Punkt, der mich und meine Altersgenossen charakterisiert, unsere Krisenerprobtheit. Wir haben in jungen Jahren den 11. September vor unseren Bildschirmen erlebt und bekamen ständig Nachrichten von Krieg und Terror direkt in unsere Wohnzimmer. Die Wirtschaftskrise hat uns dann noch gezeigt, dass Lebensplanung oft sinnlos ist und wir uns auf nichts wirklich verlassen können.

Nun, ich habe mich noch nie sehr krisenerprobt gefühlt. Weiterlesen

Gedanken

Warum ich als Reisebloggerin eigentlich völlig ungeeignet bin

Hast du dich auf einer Reise auch schon mal gefragt: „Warum tu ich mir das eigentlich an?“

Wer individuell verreist, so mit Rucksack und Eigenplanung (oder auch ganz ohne Planung…), der kommt ab und an in Momente, in denen man am liebsten den Rucksack auf den Boden werfen und seinen Kopf gegen die nächste Wand hämmern würde. Zumindest geht es mir so – und das gar nicht so selten. Weiterlesen

Gedanken

20 viel zu unbekannte Instagram-Accounts

gute instagram accounts

Instagram ist dank Essena O’Neill in den letzten Tagen mal wieder absolut in den Fokus der Internet-Welt gerückt. Sogar große Zeitungen haben Artikel darüber veröffentlicht und versucht, den Geltungsdrang der jüngeren Generationen zu analysieren. Was passiert ist? Ein australisches Instagram-Model mit 500.000 Abonnenten und einem Feed voller Bikini-Fotos vor Traumstränden hat ihren Social Media-Kanälen abgesagt – aus dem Grund, dass diese nicht echt seien und sie Mädchen nicht weiter ein falsches Körpergefühl einimpfen möchte. Weiterlesen

Gedanken

All the Young Dudes

Das erste Mal überkam mich die Erkenntnis vor über einem Jahr in meinem Portugiesischkurs. Ich hatte recht spät damit angefangen, im fünften Semester, fast alle anderen waren Erstsemester. Klar, jemand, der seit einer Woche an einer Uni ist hat andere Gesprächsthemen als jemand, der bald seinen Abschluss dort macht, aber sonderlich anders als der Rest des Kurses fühlte ich mich nicht. Bis wir Zahlen und Altersangaben durchnahmen und uns in kleinen Gruppen gegenseitig nach unserem Alter fragen sollten. „Veintiuno“, einundzwanzig, antwortete ich und sah, wie die Augen meines Gegenübers immer größer wurden. Weiterlesen

Gedanken

Wales, ich bin sprachlos

If you have chemistry, you only need one other thing: timing. But timing is a bitch.

Was How I Met Your Mother schon über die Liebe wusste, gilt auch fürs Reisen. Wir verbinden uns mit Orten, wir lernen einige zu lieben und andere zu hassen. Dabei denken wir, die Entscheidung darüber, ob uns ein Ort gefällt oder nicht, wäre bewusst und direkt getroffen, ein für alle Mal, tief in unseren Herzen. Wir denken, es gibt eben Orte, die zu uns passen, und solche, die es nicht tun. Doch in Wirklichkeit ist es viel komplizierter. Jedes Mal trifft das Ich, das wir in diesem Moment sind, auf den Ort, wie er in diesem Moment ist, und manchmal passt das, was an einem anderen Tag perfekt sein könnte, nicht mehr zusammen. Manchmal ist man übers Wochenende in einer spannenden Millionenstadt voller Leben – und fühlt sich zwischen den ganzen Menschen doch nur fürchterlich einsam. Oder man hat sich in die schönste Natur zurückgezogen – und fühlt sich auf einmal ruhelos, weil man abends etwas unternehmen möchte. Der eine oder andere Ort hätte vielleicht vor zehn oder hundert Jahren gut zu dir gepasst, aber du bist heute da – und fühlst dich nicht wohl. Und die Stadt, die noch vor einem Jahr deine Lieblingsstadt hätte sein können, gefällt dir nicht, weil dein Herz noch woanders festhängt. Weiterlesen

Gedanken

Warum mir alleine reisen das Herz bricht – und ich es trotzdem immer wieder tun würde

Es gibt extrovertierte und introvertierte Menschen. Die einen können gar nicht genug andere Leute um sich herum haben, stehen gern im Mittelpunkt und fühlen sich alleine schnell einsam, die anderen brauchen viel Zeit für sich, haben eher wenige enge als viele lockere Freunde und sind im Kontakt mit neuen Menschen erst einmal zurückhaltend und schüchtern. Ich bin irgendwo dazwischen. Ich habe nicht unbedingt Schwierigkeiten, Kontakte zu knüpfen, fühle mich in neuen Gruppen aber erst einmal unwohl. Ich rede oft wie ein Wasserfall und stehe gern im Mittelpunkt – aber nur, wenn ich mich in einer Gruppe wohl fühle. Ich halte gerne Vorträge oder Referate vor vielen Leuten, solange ich gut vorbereitet bin, habe aber Herzklopfen vor jedem Telefonanruf. Ich habe viele Freunde, aber abends oft keine Energie mehr, etwas mit ihnen zu unternehmen. Das liegt nicht an meiner körperlichen, sondern an meiner seelischen Verfassung: Wenn ich tagsüber schon viele verschiedene Menschen getroffen habe und in der Uni mit vielen Leuten sprechen musste, ist mein „Sozial-Konto“ irgendwann voll, dann brauche ich einfach meine Ruhe. Insgesamt verbringe ich gern Zeit allein, aber wenn ich zwei Tage lang niemand anderen gesehen habe, bekomme auch ich Hummeln im Hintern. Weiterlesen

Gedanken

Was bleibt

Wer meine Wohnung betritt, bemerkt nicht direkt, dass ich gern verreise und dass ich mich für andere Kulturen interessiere. Gut, da steht ein kleiner Globus auf der Kommode, daneben ein Bild von einem komischen überfüllten Strand, im Wohnzimmer hängt eine alte Retro-Postkarte neben einer Zeichnung von einem Lama, und darunter Che Guevara, der ein Sandwich isst. Darunter eines dieser typischen Poster aus Sevilla, ein altes Plakat von der Feria 1973, tausendmal neu gedruckt und zuhauf an Touristen verkauft. Wer einen Blick ins Arbeitszimmer wirft, kann meine Scratch-Map entdecken, ein Geschenk zu meinem neunzehnten Geburtstag, und ein paar aufgehängte Postkarten und Prospekte. In der Küche steht ein Gewürzdöschen und eine Packung Kamillentee mit georgischer Schrift, und am liebsten würze ich alles mit dem Paprikapulver, das ich aus Ungarn mitgebracht habe. Das war es dann aber auch – bei mir liegen keine Teppiche mit bunten Motiven aus aller Welt, auf herumstehende Deko reagiere ich eher allergisch und unsere Möbel sind fast allesamt von Ikea, zum Großteil in langweiligem schwarz, weiß oder grau gehalten. Weiterlesen

Gedanken

Warum ich immer ein Zuhause brauchen werde

Lange habe ich mich ein bisschen davor gescheut, meinen Blog als „Reiseblog“ zu bezeichnen. Eigentlich passt vom Wort her wenig besser darauf, aber die verschiedenen (sich auch so benennenden) Reiseblogs, die ich damals kannte, stießen mich ab. Sie erzählten keine Geschichten vom Reisen, sondern gaben Tipps, was man wie und wo gesehen haben „muss“. Sie schrieben zwar einen Blog, sprachen aber ständig von einem „Business“. Und alle schienen pausenlos unterwegs zu sein, und das nicht nur von Stadt zu Stadt, sondern von Kontinent zu Kontinent. Ich las zum ersten Mal den Begriff „Digitaler Nomade“ und fühlte mich nochmal falscher. Schließlich hänge ich durchs Studium sozusagen in Deutschland fest und bin weit entfernt davon, reisend und ohne deutsche Adresse mein Geld online zu verdienen. Und das stört mich nicht einmal…

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Gedanken

Umarme das Unbekannte

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Ich werde alt, sage ich in letzter Zeit häufiger, und bekomme dann mindestens fünf böse Blicke aus meinem Umkreis. Alt, mit 22, von wegen, kriege ich zu hören. Das stimmt ja auch – aber in letzter Zeit hat sich bei mir ein diffuses Gefühl eingeschlichen aus Langeweile, Ernst-des-Lebens und Melancholie, das ich einfach nicht anders bezeichnen kann.

Wenn ich „Ich werde alt“ sage, dann meine ich, dass mein Leben in den letzten Jahren immer weniger spektakulär geworden ist. Vor vier Jahren noch lebte ich in Peru, ein ganzes Jahr lang, hatte ständig spannende Erlebnisse, musste kleine Alltagskatastrophen bewältigen und mich alleine durchschlagen. Vor drei Jahren fing ich mit dem Studium an, lernte gefühlte hundert Leute auf einmal kennen, schloss Freundschaften und zog durch Bars. Vor zwei Jahren ging bei mir alles drunter und drüber, durchfeierte Nächte knüpften an einsame Tage an. Dann, frisch verliebt, zogen die Tage im Schnelldurchlauf an mir vorbei. Und schließlich, heute, bin ich angekommen, habe ein geregeltes Leben, arbeite aufs Studiumsende hin, und all das ist wirklich schön, und vor allem sehr befriedigend. Aber irgendwo unter der Oberfläche regt sich etwas in mir, das sagt: Das Beste ist nun also schon vorbei. Die Geschichten, die du später mal erzählen wirst, die Abenteuer, an die du noch in Jahrzehnten denkst – alles schon erlebt. Was jetzt kommt, ist also irgendwie nur noch der Gang durch die Mitte, der Weg geringen Widerstands, ohne Höhen und Tiefen, schließlich bin ich inzwischen älter, vernünftiger, ruhiger. Ich will nicht sagen, dass mein Leben langweilig ist, denn davon ist es weit entfernt, es ist nur eine gewisse Grundstimmung. Das Gefühl, Dinge auf einmal zu müssen, Entscheidungen zu treffen, die Unvernunft nur noch in kleinen, vernünftigen Dosen herauszulassen… Das Gefühl, nichts Neues mehr zu tun, alles bereits zu kennen, jeden Tag viel zu ähnliche Dinge zu tun. Weiterlesen