D wie Donau: Geschichten aus Regensburg und Budapest

Sabine von Ferngeweht spielt Stadt, Land, Fluss auf Blogger-Art. Auf 26 Blogs gehen im Oktober Artikel online. Während andere sich tatsächlich so schwierigen Buchstaben wie X (Xining, China) oder Q (Quedlinburg) gewidmet haben, hab ich mir ganz frech das D geschnappt und portraitiere im Zuge dessen einen für mich besonderen Fluss: die Donau.

Dass die Donau der zweitlängste Fluss Europas ist, lernt man in der Schule, vielleicht auch, dass sie im Schwarzwald entspringt. Viel spannender ist jedoch: Im Gegensatz zum längsten und größten Fluss Europas, der Wolga, durchfließt die Donau sehr viele verschiedene Länder und verbindet auf ihrem Weg einige der größten und bedeutendsten Städte Mittel- und Osteuropas.

Die Donau sieht viel auf ihrem Weg vom Schwarzwald bis zum Schwarzen Meer und quert dabei ganz unterschiedliche Kultur- und Wirtschaftsräume. Tatsächlich durchfließt sie so viele Länder wie kein anderer Fluss auf der Welt, ganze zehn, und noch größer ist ihr Einzugsgebiet. Die Donau ist Lebensader für fast alles, was südöstlich von uns liegt. Auch politisch ist die Donau interessant, schließlich sind über ein Drittel ihrer Länge gleichzeitig Staatsgrenzen. Und vor fast 2000 Jahren noch war die Donau die Grenze des römischen Gebiets, die entsprechend militärisch gesichert wurde.

Ich komme aus Regensburg, der Stadt, die man auf einer Karte immer sehr leicht findet, da man einfach den nördlichsten Punkt der Donau suchen kann. Regensburg würde es ohne Donau wohl gar nicht geben, denn die Stadt erhielt ihre Bedeutung zunächst über die Brücke und später über Handelsbeziehungen, für die der Strom ideal war. Weit und breit gab es früher keine Möglichkeit, die Donau zu überqueren, aus der ganzen Region mussten die Menschen dafür nach Regensburg kommen und Brückenzoll bezahlen, woraus sich der mittelalterliche Reichtum der Stadt ergab.

Heute ist die Donau eher etwas für Kreuzfahrtschiffe und fungiert als nette Kulisse für abendliche Spaziergänge. In Regensburg am Ufer zu stehen, ist für mich dennoch etwas Besonderes: Blicke ich in die Richtung, in die das Wasser fließt, kann ich daran denken, welchen langen Weg der Fluss noch vor sich hat. Wien, Bratislava, Budapest, Belgrad, das sind Städtenamen, die trotz ihrer Nähe weit weg klingen und von mächtigen Gebäuden und vergangenem Ruhm künden, von Königen und goldenen Türmen. Eine Flaschenpost würde hier zumindest dem Gedanken nach in eine ganz andere Welt reisen, auch wenn in der Realität wohl spätestens an der nächsten Schleuse Ende wäre.

In Passau dann fließen Inn und Ilz in die Donau, was von oben ganz schön merkwürdig aussieht. Bräunlich-graues und dunkelblaues Wasser vermischen sich, die Donau behält die bräunliche Färbung des Inn noch eine Weile bei. Weiter geht es über Linz nach Wien und Bratislava, und schließlich: Budapest.

Letztes Jahr habe ich es endlich mal in die ungarische Hauptstadt geschafft und stand auf der Kettenbrücke. Hier in Budapest ist die Donau besonders breit, um einiges breiter als in Regensburg, und ich versuche, eine Ähnlichkeit zu erkennen. Flüsse haben irgendwie nur einen geringen Wiedererkennungswert. Ein merkwürdiges Gefühl, hier am selben Fluss zu stehen wie schon tausende Male vorher, nur eben vielleicht siebenhundert Kilometer weiter flussabwärts, und in einer völlig anderen Kulisse.

Vielleicht liegt die Gemeinsamkeit im Leben mit dem Fluss, in der Bedeutung des Flusses für das Leben. Budapest besaß, anders als Regensburg, sehr lange keine feste Brücke, unter anderem, weil die Donau hier so besonders breit ist. Im Sommer konnte man das andere Ufer über eine Brücke aus aneinander befestigten Booten erreichen, im Winter gab es nur das Boot. Dennoch war Budapest in vergangenen Zeiten vor allem deshalb eine bedeutende und reiche Stadt, weil es im Sommer die provisorische Boot-Brücke gab – vermutlich wurde Budapest nur durch die Flusslage zur Hauptstadt.

1849 wurde schließlich eine feste Brücke erbaut, die damals die erste Brücke flussabwärts von Regensburg war. Die Kettenbrücke versinnbildlicht wie kaum etwas anderes den Aufschwung der ungarischen Hauptstadt: Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war Budapest zu einer kosmopolitischen, mächtigen und beliebten Stadt geworden.

Regensburg hingegen verlor spätestens seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts stetig an Bedeutung und wurde zur bayerischen Provinzstadt. Die Brücken verbinden nicht nur Flussufer, sondern geschichtlich auch die beiden Länder: 1945 zerstörten die Deutschen das Mittelstück der Kettenbrücke. Zwischen Ketten- und Margaretenbrücke erinnert heute zudem ein Denkmal an die Erschießungen 1944 und 1945.

Mit einem Fluss zu leben, das hat Vor- aber auch Nachteile. Verheerende Hochwasser kennen wohl alle Donaustädte zur Genüge. In Budapest haben es die Donaubrücken auch aus einem anderen Grund zu trauriger Berühmtheit gebracht: Die Brücken boten Selbstmördern eine Möglichkeit, sich in die Fluten zu stürzen. Statistisch gesehen wurde Budapest im 19. Jahrhundert zur „Selbstmordhauptstadt“ Europas. Dieses Thema wurde von zahlreichen Poeten aufgegriffen. Der ungarische Dichter Endre Ady schrieb einmal über die Donau: „Ein fröhliches Volk hat sie hier nie gesehen“. Das ist schon etwas anderes als „An der schönen blauen Donau“…

So viele Unterschiede es geben mag, eine Gemeinsamkeit ist jedoch unübersehbar: Beide Städte sind einfach wunderschön, nicht nur architektonisch, sondern auch landschaftlich. Wunderschöne Orte haben Städte angezogen, die sich auf unterschiedlichste Weise zu kleinen oder großen Juwelen entwickelt haben. Und als Besucherin bietet die Donau überall eine phänomenale Kulisse.

Welche Donaustädte kennst du? Und welcher Fluss hat dich geprägt?

[ssba]

4 Gedanken zu “D wie Donau: Geschichten aus Regensburg und Budapest”

  1. Ach Mist. 🙂 Gerade habe ich bei der Neuauflage von Sabines Stadt-Land-Fluss HIER geschrien und mich fürs D gemeldet – wie Donau. Und unter anderem Regensburg und Budapest im Hinterkopf gehabt. Egal. Erzähle ich mehr vom Delta. Auf jeden Fall schöne Grüße, so von einem Donau-Fan zum anderen. 😉

  2. Hallo Ariane,
    danke für deinen schönen Donau-Artikel
    welcher Fluß mich geprägt hat? Das sind drei: Die Donau, oder genauer der kleine Zufluss Schwechat, der hinter meinem Elternhaus fließt, der Rhein, in dessen Nähe ich jetzt lebe und die Newa. An deren Ufer habe ich fünf Jahre lang gelebt. Es war keine leichte Zeit, aber dennoch sehr schön! Mit der Newa habe ich dieses Jahr an Sabines Blogparade teilgenommen: https://www.sy-yemanja.de/2016/06/15/newa/
    Liebe Grüße (im Moment in Rheinnähe)
    Steffi
    PS: Ich war letztes Jahr zum ersten Mal in Regensburg und war schwer beeindruckt! Eine tolle Stadt!

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