Projekt Fernweh: Sprachlose Schönheit

Wir reisen weiter im Projekt Fernweh! Diesmal mit einem ganz wundervollen Beitrag, der euer Fernweh ziemlich sicher in neue Höhen treiben wird 🙂 Elske berichtet von ihrer Zeit in der Bretagne. Auf ihrem Blog gibts dazu noch ein bisschen mehr zu lesen – dieser wird allerdings nicht mehr aktiv geführt. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen! Und falls ihr Lust habt, auch mal einen Beitrag zu veröffentlichen, nur zu, meldet euch!

Das erste Mal Frankreich, das erste Mal Bretagne, das erste Mal Atlantik.
Zwei Wochen war ich dort mit meiner Familie und habe so viel gesehen und erlebt, dass ich Angst hatte, nicht alles aufsaugen zu können.

Die Sonne ist morgens über dem Meer aufgegangen, während ich auf dem Balkon unserer Wohnung saß, in eine dicke Decke eingewickelt und Tee schlürfend dasaß. In allen Farben, rot, beige, lila, rosa, blau, hat sich der Himmel über dem Wasser gefärbt und ich war wie berauscht von diesem Anblick.

Die Küste gesäumt mit Felsen, Steinen und Schluchten und um die gesamte Halbinsel öffnen Schluchten in den Felsen ihre klaffenden Münder.

Auf und ab geht es auf schmalen Pfadwegen oben an der Küste entlang, die sich teilweise 50m über dem Meer entlangschlingen. Im Wald kann man viele alte Ruinen aus dem zweiten Weltkrieg entdecken, in denen Sprayer Kunstwerke gezaubert haben, die so gar nicht an diesen Ort passen, und doch auch dazu gehören.

Winzige Dörfer, mit vielleicht drei oder vier kleinen Steinhäuschen bloß, mit Wildblumen im Vorgarten, die betörende Düfte in die Luft schicken. Prächtige Bauten, die an englische Cottages erinnern, mit großen Portalen vor der Einfahrt.

Straßenmusiker saßen an der Kaimauer, mit Gitarre und Violine und spielten mit dem Rauschen des Meeres. Der Ort war eigentlich relativ klein, doch es gab jeden Abend entweder einen Markt, mit vielen Handwerkerständen und einem Porträtzeichner, der solche Wunder auf Papier zeichnete, dass ich Stundenlang hätte zugucken können, wie die Kohle über raue Fasern fliegt. Oder es wurde eine Bühne aufgebaut, ebenfalls wie die Märkte (und der Strand) keine 50m von unserer Wohnung entfernt, auf denen verschiedenste Bands auftraten. Dabei wurde auch viel Bretonisch-traditionelle Musik gespielt, die einfach nur super viel Spaß machte, besonders wenn Einheimische mit den traditionellen Tänzen begannen, dass war wirklich toll!

An einem Tag waren wir auch Kayak fahren! Auf und ab ging es bei einem Wellengang, über den Surfer nur müde gelacht hätten. Aber es war total aufregend! Die Grotten direkt von vorne zu sehen, das Meer als Straße. Fast habe ich mich in dem Moment mit dem Meer enger verbunden gefühlt als wenn ich schwimme. Ich saß praktisch auf dem Wasser, und habe mich ein bisschen wie eine Indianerin gefühlt. Naja, ein bisschen…

Hinterher jedoch sind wie dann auch ziemlich schnell wieder raus aus dem Wasser; Wellen hatten uns bis zum Kinn nass gespritzt und ich fror am ganzen Körper, bis meine Lippen blau anliefen meine Finger weißer waren als Schnee (aber das kommt öfters vor…)

Und wir waren so gut wie jeden Tag am Strand. Feiner Kieselstrand der an den Füßen kitzelte und vor allem:

Türkisblaues Meer. Nicht dunkel und gewaltig, vom Sand trübe. Sondern ganz klar, sodass man noch Metertief nach unten gucken konnte, Felsen aus der Tiefe ragend, kleine Fischschwärme, die ganz sacht nur die Ferse streichen.

Leider war das Wasser sehr salzig, und da ich eine ziemlich schwierige Haut habe, juckte es mich nach dem Schwimmen immer am ganzen Körper. Aber das war es wert und ich habe die Stiche, die teilweise wirklich heftig waren fast jeden Tag ertragen, nur um in diesem Meer schwimmen gehen zu können!

Und dann ist da noch die dunkle Seite des Meeres, an jenen Tagen, die das Meer so hoch schlagen lassen, dass die Wellen über einem zusammenbrechen. Tage, an denen klar wird, dass die Natur sich immer alles zurückholen wird, und dass das Meer eine Urgewalt ist, der niemand trotzden kann.

Da die Halbinsel auf unserer Seite den Atlantik etwas geschluckt hat waren dort die Wellen nie besonders hoch. Aber an manchen Tagen sind wir auch auf die andere Seite gefahren; dort, wo das Meer krachend an der Felsküste zerbricht und mit tosenden Wellen den Sand niederschmettert.

Und an einem dieser Tage haben wir Hilferufe aus dem Meer gehört: Eine Gruppe junger Menschen war zu weit herausgeschwommen. Noch kilometerweiter hinten brachen Wellen und zogen einen immer weiter aufs offene Meer hinaus, sodass sie keine Möglichkeit hatten, wieder an Land zu kommen.

Ich glaube, es dauerte Ewigkeiten, bis alle fünf gerettet waren. Retter brachten sich selbst in Gefahr und kamen nicht zurück, eine Strandwacht gab es nicht. Viele kräftige Männer sagten, sie wollten und könnten selber nicht so gut schwimmen, geschweige denn helfen. So standen zig Leute am Strand, fotografierten, diskutierten viel. Aber bis genug Leute vorhanden waren, die sich bereit erklärten, zu helfen, dauert es sehr lange.

Gerettet wurden alle, dank der Helfer, unter denen auch zwei Surfer waren, die mit ihren Brettern rausgeschwommen waren, um Hilflose dort drauf zu legen, bis sie wieder schwimmen konnten.

An diesem Tag ist von uns keiner mehr ins Meer gegangen, die Urgewalt hatte uns alle erwischt…

Und dann gab es noch das kleine Café.

Ich habe eine Schwäche für kleine, entzückende, bezaubernde Cafés, und suche (und finde) in fast jedem Ort in dem ich bin immer ein Café, in dem ich Monate verbringen könnte. In Domburg (NL) letztes Jahr war das „Galerie Pop“ mit einer blondgelockten Holländerin, in Monschau (D) ein kleiner Schokoladenladen mit Köstlichkeiten aus Schokolade von einem etwas rundlichen supernetten Mann, in Bath (E) im Februar das „You&Me Café“ von einer kleinen süßen Asiatin…

Ich finde immer einen Ort, den ich mit nach Hause nehmen möchte. Denn zu Hause habe ich ihn noch nicht richtig gefunden leider.

Und dieses Jahr, in der Bretagne, habe ich mich neu verliebt: Thé à l’ouest.

Mit einem Touch Britisch und einem Hauch Kitsch Pip Studio und Wimpelketten (yeah!) hat dieses alte Gebäude mit gleich fasziniert. Vielleicht war es früher mal eine Apotheke, denn die Decke ist ganz hoch und an den Wänden stapeln sich hohe Apothekerschränke, die umfunktioniert wurden. Nun sind darin riesige Dosen leckerster Teesorten verstaut – und nicht irgendein Tee -Kusmi Tea!

Thé à l’ouest hat mich verzaubert. Ich war wie im Himmel! Und diese Cupcakes erst! Dazu noch Kuchen, Kekse, Makronen, Brownies und eben fantastisches Kusmi Tea – wer würde da nicht ausflippen vor Freude?


Die zwei Wochen waren so wunderschön, und ich war unendliche Male sprachlos von dieser Schönheit der Natur. Und ich bin fast geplatzt vor Inspirationen und Impressionen…

Ich hoffe euch hat mein kleiner Ausflug in die Bretagne gefallen 🙂
Elske ♥

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4 Gedanken zu “Projekt Fernweh: Sprachlose Schönheit”

  1. Oh was für ein bezaubernder Text. Nicht nur wirklich gut geschrieben, sondern auch echt mitreißend und spannend. Ich konnte mich richtig in die Lage der Erschrockenen an Strand und vor allen der in Not geratenen versetzen…gleichzeitig verzauberte mich aber auch die Beschreibung des Drumherums.

    Liebe Grüße 🙂

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