Nach Neukölln geht man zum Sterben. Und was ich sonst noch in Berlin gelernt habe

Wer in Jena lebt, der kann Berlin nur hassen oder lieben. Eine Zwischenstufe ist da irgendwie nicht drin. Jena ist ohnehin so ein bisschen Klein-Berlin, viele Menschen aus Berlin leben hier, vor allem die mit schlechten Schulnoten, denn die NCs für die meisten Studienfächer sind in Berlin sehr hart und in Jena nicht vorhanden, in Jena darf jeder studieren, der den Semesterbeitrag zahlt. Und die aus ihrer Stadt vertriebenen Berliner lästern natürlich gerne über Jena, über das Kleinstadtflair, über die fehlenden Feiermöglichkeiten, darüber, dass es… nun ja, eben nicht Berlin ist. Viele lassen sich da mitreißen und malen sich Berlin als Schlaraffenland aus, ich war immer eher genervt von dieser Großkotzigkeit und der Unfähigkeit, sich auch mal auf andere Städte einzulassen.

Ich kann mich an eine WG-Party erinnern, zu der ich von eigentlich sehr netten Kommilitonen eingeladen wurde. Berliner, die sich zusammengerottet haben, und ganz viele Leute vom Dorf, die gerne aus Berlin wären. Jutebeutel, Mate-Flaschen, Nasenringe, selbstgedrehte Zigaretten, Hüte und Turnschuhe, das kennt man alles auch aus Jena. Ich stelle meinen mitgebrachten Wein auf den Küchentisch und nehme mir ein Bier aus dem Kasten, der daneben steht. „Also, ich weiß nicht, ob du dir das einfach so nehmen kannst, der Kasten ist von meinem Mitbewohner“, sagt meine Kommilitonin, dreht sich um und verschwindet. Ich schenke mir ein Glas von meinem eigenen Wein ein und komme mir irgendwie fehl am Platz vor. Auf den WG-Partys in meiner alten Wohnung wurde meistens ein großes Fass samt Zapfanlage geliehen und stand für alle Gäste offen, wer reinkam, wurde von allen gegrüßt, auch, wenn niemand ihn kannte, und man fand immer ein Gesprächsthema, und wenn es nur „Und wen kennst du hier so?“ war.

Ich stelle mich zu Leuten, die ich aus Vorlesungen kenne. „Mein Mitbewohner hat übrigens auch seine alten Freunde aus Berlin mitgebracht“, sagt eine und alle nicken ehrfürchtig. „Unser DJ, der ist übrigens auch aus Berlin.“ Ein anerkennendes Raunen macht die Runde. Ich finde die Musik eintönig und zu laut und frage mich, ob Herkunft eine Qualifikation sein kann. Die Berliner Freunde sind laut und nervig und bleiben den ganzen Abend unter sich. Meine Kommilitonen scharen sich rundherum wie das hässliche Entlein um die coolen Kids in einer US-High-School-Serie. Ich bin froh, als Freunde von mir vorbeikommen, um mir beizustehen. Zu dritt sitzen wir den ganzen Abend auf einem Sofa, quatschen, trinken und lachen. Das Wort „Berlin“, vor allem mit diesem ehrfürchtigen Unterton, möchte ich erst mal nicht mehr hören.

Als ich ein Jahr später eine Freundin in Berlin besuche, sind wir beim Karneval der Kulturen. Es ist spannend und schön, wir trinken peruanische Cocktails in der Sonne, tanzen schon nachmittags zu Elektrobeats und genießen die besondere Atmosphäre in der Stadt. Ich habe das Gefühl, ich schließe meinen Frieden mit Berlin. Es gibt hier Dunkin Donuts, man kann bereits nachmittags feiern gehen und das jedes Wochenende und der Karneval der Kulturen ist wirklich sehenswert. Doch als wir Bekannte und Mitbewohner der Freundin treffen, ist es wieder da, dieser nervige Größenwahn, dieses Verhalten, als wäre Berlin der absolute Nabel der Welt, dieses Desinteresse an anderen Städten. Ich sage, dass es beim Karneval der Kulturen extrem voll war. „Ach, ja, wenn man aus so einer kleinen Stadt kommt, können einem so viele Menschen an einem Ort schon einmal Angst einjagen“, ist die beinahe bemutternde Antwort. Ich möchte schreien, dass ich bereits ein Jahr in einer 10-Millionen-Stadt verbrachte und dass tatsächlich auch außerhalb von Berlin Großveranstaltungen stattfinden. „Ach, Jena, ist da auch was los?“ kommt nach der Frage nach meinem Wohnort. „Nö, da werden um 19 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt.“ Ich bin fassungslos, als meine Antwort nicht als Ironie erkannt wird.

Neukölln Berlin

Berlin nervt, stelle ich fest, und bin noch mehr genervt über die Tatsache, dass der Masterstudiengang, den ich von allen am interessantesten finde, ausgerechnet an der Freien Universität Berlin angeboten wird. Aber die Stadt soll mich nicht abhalten, sage ich mir dann immer gebetsmühlenartig vor, schließlich sind es nur zwei Jahre. Dieses Jahr nun die Zusage zu einem Praktikum am Bundestag, sechs Wochen, ich sah es als Berlin auf Probe und freute mich sogar auf die Zeit. Viele Leute, die lange in Jena wohnen, bekommen irgendwann einen Jena-Koller und müssen mal eine Zeit lang raus aus der Stadt, mir ging es so. Ich freute mich darauf, in den sechs Wochen die langen Fahrtwege und lauten Straßen Berlins hassen zu lernen, um Jena wieder ins Herz schließen zu können. Und natürlich herauszufinden, wie das Leben in Berlin denn nun wirklich ist, fern von Jutebeutelhipstern in verrauchten Jenaer WG-Küchen. Inzwischen bin ich schon fast wieder zu Hause in Jena und kann ein kleines Fazit ziehen. Mein Fazit ist selbstverständlich nicht übertragbar und viele meiner Erfahrungen mögen daher rühren, dass ich in Neukölln wohnte und jeden Tag zum Arbeiten nach Mitte fahren musste, in anderen Teilen Berlins mag es wieder ganz anders sein. Trotzdem – was sind also meine Feststellungen über Berlin?

Kiez statt Kies Neukölln Berlin

Es gibt auch normale Menschen hier. Und zwar sehr viele verschiedene.

Ein glücklicher Punkt war es, festzustellen, dass sich in Berlin nicht nur der Menschenschlag, den ich bereits in Jena kennen lernen durfte, eingenistet hat. Stattdessen gibt es (auch logisch in einer Millionenstadt) eine Vielzahl von Lebensweisen, Kleidungsstilen, Alltagsrealitäten und Geschmäckern, und das ist großartig. Schön, dass sich so viele unterschiedliche Menschen hier zu Hause fühlen und dass dabei auch viel Vermischung stattfindet, wie beispielsweise in Neukölln, wo Dönerläden neben hippen Cafés zu finden sind und auf dem türkischen Markt sowohl Bio-Gemüse aus der Region als auch Fladenbrot verkauft wird. Trotzdem – das mit den vielen verschiedenen Menschen scheint nicht nur ein Vorteil zu sein. Ich hatte in meiner Zeit in der Stadt das Gefühl, dass die verschiedenen Stadtviertel wirklich sehr getrennt von einander existieren und man auch mal die Nase über die anderen rümpft, so von wegen: „Neukölln? Wer wohnt denn da?!“ Schade eigentlich!

Hund Fenster Neukölln Berlin

Hunde laufen in Berlin generell alleine herum. Und verdrecken alles.

Ich weiß nicht, warum, aber Hunde sind in Berlin generell alleine unterwegs und haben ihr Herrchen irgendwo stehen gelassen. Oder laufen zumindest zehn Meter vor oder hinter dem Herrchen, das sich auch null um seinen Hund kümmert. Viele Hunde laufen dabei auch wirklich zielstrebig, so als hätten sie ein Ziel in der Ferne, und gucken die Leute um sich herum gar nicht an. Gut, so braucht man wenigstens keine Angst zu haben, wenn einem auf dem Bürgersteig eine Dogge ohne Leine entgegenkommt. Hundebesitzer scheinen in Berlin also allgemein einen recht freien Erziehungsstil zu bevorzugen. Ein negativer Effekt: Überall liegt Hundesch… Und niemand denkt auch nur daran, sie zu entfernen. Das ist wirklich nicht schön. Nachts in Neukölln braucht man fast schon eine Taschenlampe, um vorsorglich den Boden vor sich abzuleuchten…

Neukölln Berlin

Es gibt immer und überall und zu jeder Tageszeit etwas Gutes zu essen. Versprochen.

Während in Jena nach vier Uhr morgens, wenn der letzte Dönermann seine Türen geschlossen hat, nur noch die heimische WG mit Tiefkühlpizza zur Rettung kommen kann, gibt es in Berlin immer etwas zu essen. Egal wie viel Uhr, egal welcher Wochentag. Und normalerweise hat man immer noch eine so riesige Auswahl an leckeren, spannenden Dingen, dass man sich kaum entscheiden kann. An kalten Tagen muss man sein Essen nicht einmal draußen zu sich nehmen, sondern kann eigentlich alles, was man braucht, unterirdisch in den U-Bahn-Stationen kaufen. Günstig ist alles obendrein – in Neukölln kann man tatsächlich Döner oder Falafel für einen Euro essen, ohne sich Sorgen um seinen Magen zu machen. (Falls jemand dort ist: „Libanon Falafel“ mit seinen auf Plastiktüten geschriebenen 1-Euro-Angeboten ist tatsächlich zu empfehlen!) Für Fernweh-Freunde wie mich gibt es alles, um das Verlangen nach ein bisschen Weltreise zu stillen: lateinamerikanische Supermärkte und Restaurants, original mexikanisches Street Food, das Dong-Xuan-Center mit allen möglichen asiatischen Merkwürdigkeiten und so weiter und so fort. Richtig super! Sympathisch finde ich auch, dass es so viele Möglichkeiten gibt, günstig in kleinen Läden oder auf Märkten einzukaufen anstatt in anonymen, verpackungsmüllschleudernden Discountern…

Graffiti gegen Gentrifizierung

Die Sache mit der Gentrifizierung…

Ich musste feststellen, dass in Neukölln zu wohnen, tatsächlich ein Gesprächseinstieg ist. „Hast du denn keine Angst?“, habe ich als Antwort gehört, genauso wie „Das ist auch gerade ganz stark am Gentrifizieren, oder?“ Falls sich der Grad der Gentrifizierung an der Anzahl der hippen Burgerläden bemisst, in denen man bei der Bestellung mit Vornamen angesprochen wird, muss ich das bejahen. Aber ich weiß auch einfach nicht, was die Berliner wollen und ob sie verstanden haben, was Gentrifizierung heißt. „Saubere Wände + saubere Straßen = höhere Mieten“, postuliert ein Graffiti an der Wand einer vor Kurzem eröffneten schicken kleinen Galerie. Ich persönlich möchte nicht an einem Ort leben, an dem Menschen einfach ihren Müll auf der Straße abladen und alles unachtsam auf den Boden werfen, wie das vielerorts in Berlin passiert, und ich glaube daran, dass man die Straße oder auch den Stadtteil, in dem man wohnt, zum Besseren gestalten sollte, nicht zum Schlechteren. Gentrifizierung lässt sich über politische Maßnahmen verhindern, zum Beispiel, indem man Grenzen für Mietsteigerungen setzt oder für ein bisschen Durchmischung sorgt, indem man Sozialwohnungen zwischen Einfamilienhäusern oder Luxus-Wohnungen baut. Mutwilliges Verdrecken und Vandalismus können nicht die Lösung dafür sein, sondern sind einfach nur peinlich. Liebe Sprayer des besagten Graffitis: Engagiert euch lieber dafür, dass eure Umgebung vielseitiger und bunter und freundlicher wird, gründet eine Bürgerinitiative oder macht auf Menschen aufmerksam, die unfairerweise aus ihren Wohnungen gedrängt werden! Und werft euren Müll in Zukunft in den Mülleimer…

Einsamer Teddy Neukölln Berlin

Man sieht eben auch die schlimmen Dinge.

In jeder Großstadt gibt es nicht nur Schönes, sondern auch viel Leid und Elend. In Jena mag man das manchmal ausblenden, weil man in gewisser Weise in einer Studentenblase lebt und es der Stadt wirtschaftlich sehr gut geht, aber es ist so. So war es für mich in Berlin umso schockierender, manche Dinge zu sehen. An ganz verschiedenen Stellen, immer wieder, Schlafsäcke und Plastiktüten mit Habseligkeiten. Der Park hinter meinem Haus, in dem zwischen lauter Müll Matratzen liegen, auf denen manchmal ein apathisch in die Ferne starrender junger Mann sitzt. Ein vielleicht fünfzehnjähriges Mädchen, das in dreckigen Klamotten in der U-Bahn-Station auf dem Boden sitzt und mit dem Kopf an die Wand gelehnt schläft. Ein älterer Mann, mit verdreckter Kleidung und langen, verfilzten Haaren, der sich vor Schmerzen krümmt und kaum noch laufen kann. Ich fühle mich hilflos, möchte etwas tun, schaue mich um und sehe, dass es niemanden kümmert. Und laufe selbst auch einfach weiter. Aber es gibt auch viel, was dagegen getan wird. Und es gibt die Möglichkeit, sich über Hilfsangebote zu informieren und zu lernen, wann man wegschauen sollte – und wann Menschen wirklich Hilfe brauchen und Einschreiten sinnvoll ist.

Altes Kino Neukölln Berlin

Mehr Museen als Regentage. Oder: Das kulturelle Angebot ist fantastisch!

Berlin besitzt mehr Museen als durchschnittliche Regentage pro Jahr. Oder anders gesagt: Man hat immer etwas zu tun in dieser Stadt. Ob Kunstgalerie, Foto-Ausstellung, historisches Museum… Viele der Museen sind noch dazu so groß, dass man eigentlich mehrmals hingehen muss, um alles zu sehen. Und dann haben die meisten ja auch noch ständig wechselnde Ausstellungen! Viele dieser Museen haben übrigens Jahreskarten, die sich für Studenten richtig lohnen. Bei den Staatlichen Museen zu Berlin kann man beispielsweise als Studentin für 25 Euro im Jahr 19 verschiedene Museen flatrateartig besuchen. Auch Bibliotheken gibt es in Berlin en masse, zu verschiedenen Themen, außerdem ein Haufen verschiedenster Veranstaltungen und insgesamt so viel zu erleben, dass man sich aufteilen müsste, um alles zu sehen.

Friedhof Neukölln Berlin

In Berlin baut man, bis es nach Baustelle aussieht. Und dann nicht mehr.

Okay, vielleicht ist das eine etwas vorschnelle Vermutung. Aber in Berlin gibt es einfach überall Baustellen. Auf dem Weg von meiner Wohnung zur U-Bahn laufe ich an fünf abgesperrten Löchern im Boden vorbei und in den vergangenen sechs Wochen habe ich nicht ein einziges Mal mitbekommen, dass jemand daran gearbeitet oder dass sich irgendetwas daran verändert hätte. Zu funktionieren scheint alles, warum kann man das Loch also nicht einfach wieder zumachen? Vielleicht hat man Neukölln ja einfach vergessen. Nach Neukölln geht man schließlich gefühlt auch vor allem zum Sterben, so viele Friedhöfe, wie es dort gibt. Aber auch die Enlosundeinentag-Baustelle Unter den Linden finde ich ganz furchtbar, die macht das Flair der Straße absolut kaputt.

Straßenschild bunt Berlin

Und immer wieder… die langen Wege.

Wenn ich eins in Berlin gelernt habe: Sollte es mich für den Master wirklich hier hinziehen, möchte ich maximal in Fahrradstreckenentfernung von meiner Uni wohnen. Dafür würde ich auch in Kauf nehmen, ein bisschen weiter draußen oder weiter entfernt von einer U-Bahn-Station zu wohnen. Denn lange Wege auf sich zu nehmen, weil man jemanden treffen oder sich etwas anschauen möchte, das finde ich okay. Jeden Tag gefühlte Stunden in Bussen und Bahnen zu verbringen und morgens in Hektik zu geraten, weil die U-Bahn fährt, finde ich jedoch gar nicht okay. Noch dazu sind die Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln morgens so dermaßen unfreundlich, dass es einem direkt aufs Gemüt schlägt. Alltägliche Strecken möchte ich zu Fuß oder mit dem Rad zurücklegen können, dann nehme ich es auch in Kauf, für außergewöhnliche Gegebenheiten ein bisschen länger zu fahren.

Primark Tüte

Ist eigentlich sonst niemand in Berlin Touristenhasser? Ich bins jedenfalls geworden.

Wie gesagt: Vielleicht liegt das daran, dass ich jeden Tag von Neukölln nach Mitte und zurück fahren musste. Ich saß definitiv zu oft im vollgestopften Bus 100 oder zwischen dreihundert Koffern im TXL, um Touristen noch mögen zu können. Noch dazu ist die Hälfte des Gehsteigs in Unter den Linden mit Gruppen an Jugendlichen aus verschiedensten Ländern blockiert, die einen kaugummikauend mit großen Augen anstarren, wenn man einfach nur vorbei möchte. Und den Bus 100 an der Haltestelle schon abfahren sieht. Und sich denkt, dass das vielleicht gar nicht so schlecht ist und man ohnehin besser einen anderen Bus nimmt als den, der sich schon einen Ruf als kostenloser Hop-on-hop-off-Bus zu allen Sehenswürdigkeiten gemacht hat. Irgendwie wollte aber niemand einstimmen, immer wenn ich in Berlin zum Touristen-Bashing ansetzte. Fühlt da niemand die selben Anwallungen von Hass in sich aufsteigen? Merkwürdig.

Graffiti Neukölln Berlin

Blogger, Internet-Szene, Fotografen. Und das alles sogar in nett.

Wenn eine Stadt in Deutschland einen Ruf dafür hat, künstlerisch zu sein, viel mit Internet und Start-up am Hut zu haben und Bloggerinnen und Blogger hervorzubringen, ist es Berlin. Und das merkt man – es gibt echt viele tolle Blogs in der Stadt und die meisten davon haben auch noch extrem sympathische Menschen dahinter stehen. Zum Blogger-Stammtisch von blogfoster habe ich mich erst nach ein bisschen Mir-selbst-Mut-machen getraut – nicht dass dort nur lauter professionelle, medienaffine Hipster-Berliner sitzen! Letztendlich waren dort lauter freundliche Menschen ganz verschiedener Altersgruppen, die sich untereinander ausgetauscht haben. Niemand hat auf irgendwen heruntergeschaut, jede und jeder konnte etwas zur Diskussion beisteuern und wurde auch gehört. Anstatt Oberflächlichkeit und „Also mein Blog hat ja 2.000 Facebook-Fans, und deiner so?“-Geplänkel half man sich wirklich weiter. Kein Blog zu unwichtig, keine Frage zu albern – das ist mal eine schöne Atmosphäre! Und an solchen und ähnlichen Veranstaltungen gibt es in Berlin bestimmt noch mehr – und selbst wenn nicht, hier gibt es die Zielgruppe, um so etwas auf die Beine zu stellen.

Graffiti Neukölln Berlin

Ich könnte wohl noch hundert andere Dinge aufführen, gute wie schlechte. Einige Dinge konnte ich lernen, andererseits jedoch nur feststellen, was ich ohnehin schon wusste: Ich kann eine Großstadt nicht lieben. Es ist maximal eine Hassliebe drin, ein „Beziehungsstatus: kompliziert“. Und das ist okay. Denn über all die Dinge, über die ich mich in diesem Artikel aufgeregt habe, kann ich an guten Tagen auch mal lachen – oder mich einfach wundern. Und eins weiß ich bestimmt bei dieser Form von Hassliebe: Langweilig wird es mir nie.

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30 Gedanken zu “Nach Neukölln geht man zum Sterben. Und was ich sonst noch in Berlin gelernt habe”

  1. Liebe Ariane,
    ein wunderbarer Artikel, wie immer toll geschrieben. Ich war bisher selbst nur als Tourist in Berlin, mag die Stadt aber sehr gerne. Anfang des kommenden Jahres werde ich selbst für drei Monate nach Berlin gehen, um die Stadt endlich einmal "richtig" kennen zu lernen. Mal sehen, ob es mir dann ähnlich gehen wird wie dir.
    Viele Grüße, Annika

    1. Danke dir 🙂
      Dann wünsch ich dir ganz viel Spaß in Berlin! Es gibt wirklich viel zu sehen – und wenn man sozusagen ein Rückreiseticket in der Tasche hat, können einem die negativen Punkte ja auch erst einmal sonstwo vorbeigehen 😉

  2. Echt ein toller Beitrag! Ich war bisher nur als von dir verhasster Tourist in der Stadt 😉 – aber ich gestehe, ich mag Berlin überhaupt absolut ganz und gar nicht. Ich könnte mir nicht vorstellen, da zu wohnen und ich kann nicht mal genau in Worte fassen, warum. Es ist einfach dieser "Flair" in Berlin, der mich abstößt.
    Trotzdem (oder gerade deswegen?) war dein Post sehr unterhaltsam und interessant zu lesen!

  3. Du schreibst so toll, ich hab den Post wirklich gerne gelesen. 🙂
    Und ich bin froh, dass nicht alle Berliner so sind, wie die, die du in Jena kennengelernt hast, denn ich hab auch schon mit dem Gedanken gespielt mal dort hin zu ziehen.
    Besonders das kulturelle Angebot klingt mega gut (Die Museenflatrate ist ein Traum!) und ich liebe Großstädte. 🙂

    1. Danke dir 🙂
      Ich war auch wirklich sehr sehr froh! In Berlin trifft man aber wirklich auch viele nette Menschen und es gibt ja auch extrem viele Zugezogene, die dann vielleicht nicht ganz so großkotzig sind, was die Stadt angeht 😉
      Ja, das kulturelle Angebot in Berlin ist fantastisch, es gibt wirklich für jeden etwas und meistens kann man sich gar nicht entscheiden, was man machen und sehen will!

  4. Toller Beitrag!! Ich wohne zwar nicht in Berlin, fahre aber oft hin – wegen Arbeit und der besten Freundin. Vor allem bei den langen Wegen kann ich mit dir mitfühlen! Man braucht mitunter eeewig bis man da ankommt wo man hinwill. Und zurückkommen ist, je nach Uhrzeit noch mal eine andere Sache 😀
    Liebe Grüße und alles Gute mit deiner Hassliebe 🙂
    Christina

    1. Danke! 🙂
      Ja, das find ich wirklich schrecklich. Ich bin aber in Jena auch verwöhnt – dort kann man eigentlich immer laufen. So hab ich schon eine kleine Abneigung gegenüber öffentlichen Verkehrsmitteln entwickelt 😉

  5. Hallo Ariane,
    dein Beitrag ist wirklich nett geschrieben und interessant. Ich war bisher erst ein Mal in Berlin. Als Tourist allerdings… da haben wir auch alle möglichen Sehenswürdigkeiten abgeklappert aber darüber hinaus auch versucht etwas vom Berliner Leben mitzubekommen. Ich finde es einfach unglaublich wie viel in Berlin immer los war. Die Straßen waren immer voll, ebenso wie Busse und Bahnen. Eine große Metropole hat ihre Vor- und Nachteile denke ich, aber das schönste ist wie ich finde, dass man seine Heimat danach wieder richtig zu schätzen weiß!

    Liebe Grüße

    Jacqueline

    1. Danke! 🙂
      Das stimmt wirklich – man muss echt erst mal suchen, wenn man einen Ort für sich allein haben möchte. Vor allem bei gutem Wetter und Frühlingstemperaturen kriechen sie alle aus ihren Löchern 😉 (Wobei das ja überall in Deutschland ist…)
      Ja, ich denke auch, dass jede Metropole ihre Vor- und Nachteile hat, genauso wie das Leben auf dem Land oder in einer Kleinstadt. Den perfekten Ort zu finden ist wahrscheinlich schwer…

  6. 😀 Wie erfrischend, mal was anderes als Loblieder auf Berlin zu lesen. Ich selbst liebe Berlin, sehe aber auch einige der unschlnen Punkte, die du angesprochen hast. Die Stadt ist kreativ, aber auch oft dreckig. Unendliche Möglichkeiten, für die man aber oft für die Hinfahrt schon unendliche Geduld braucht.

  7. Oh das liest sich wirklich wunderbar. Und so lustig! 😀 Ich kann dich verstehen, dass du Touristen hasst: Vor meiner Eingangstür stehen manchmal auch Reisegruppen oder Leute bleiben mitten im Gehweg stehen. Wenn man gerade dringend weiter muss, kann das echt nerven. Aber gut, wir sind in anderen Städten ja auch oft Touristen, haha. Ein wirklich wirklich cooler Beitrag, ich mag vor allem die Vielseitigkeit und Ehrlichkeit. Hut ab und hey, die FU soll super sein. Liebe Grüße 🙂

    1. Danke, das freut mich 🙂 Ja, das stimmt natürlich – man selbst ist ja auch überall außerhalb der Heimatstadt Touristin 😉 Aber dieses Im-Weg-Herumstehen ist auch einfach schrecklich…

      Ja, ehrlich? Ich treffe irgendwie immer nur Leute, die an der HU studieren und zur FU nur sagen, dass sie ja sooo weit draußen ist und da nur komische Leute studieren… Schön, mal etwas Positives von der Uni zu hören 😀

  8. Hihi bei deinen oben genannten Erfahrungen musste ich ein wenig schmunzeln. So kenne ich die Berliner gar nicht, schade das du direkt solche Erfahrungen machen musstest. Wie ich in deinem Bericht weitergelesen habe, hast du zum Glück ja noch nette und hilfsbereite Menschen getroffen.
    Ich mag Berlin sehr gern und bekomme grad echt ein bisschen Fernweh 🙂

  9. Liebe Ariane,
    toller Beitrag! Ich kann deine Hassliebe nachvollziehen – mir ging es in Berlin auch so! Ich kann diesen Hype um die Stadt nur bedingt verstehen; ich finde einge Sachen in Berlin großartig, andereres wiederum hat mich genervt (unter anderem die Sache mit der Hundesch*, dem Touristen-Hass usw.). 🙂 Gerade wegen den langen Wegen bin ich froh, dass es mich doch nach Hamburg verschlagen hat. Ist zwar auch ne Großstadt, aber die Strecken sind kürzer, es ist nicht so gehyped, dennoch ist was los und liebe es einfach nur 😀 komm mal vorbei!

    liebe Grüße
    Petra

    1. Danke! Ja, Berlin kann so als Stadt wirklich anstrengend sein, vor allem diese Großkotzigkeit und dieser Hype. Hamburg ist bestimmt wirklich toll, ich hoffe, im Juni klappt es für ein Wochenende 🙂

  10. Da meine Patentante seit gefühlten tausend Jahren in Berlin lebt (sie ist zum Studium nach Westberlin gezogen, vor der Wende), bin ich jedes Jahr in Berlin. Vor allem den Punkt mit den Baustellen konnte ich nachvollziehen, das ist mir schon mehrmals aufgefallen. Richtig genießen tue ich aber auch das Kunsangebot in Berlin (und natürlich, dass fast alle Museen für Minderjährige freien Eintritt haben). Ich verstehe deine Hassliebe zu Berlin ein bisschen und fand es sehr lustig, deinen Artikel zu lesen 😀 Was mich jetzt noch interessieren würde: Gehst du denn zum Master nach Berlin oder eher nicht?

    Liebe Grüße,
    Malika

    1. Ja, man hat in Berlin irgendwie auch einfach keinen Ausblick, in dem nicht mindestens drei Kräne irgendwo stehen 😉

      Zum Glück muss ich die Entscheidung dafür erst nächstes Jahr treffen. Momentan würde ich definitiv sagen ja, einfach, weil der Studiengang dort so cool ist, aber ich möchte mich trotzdem noch nach Alternativen umsehen 🙂 Und dann ist natürlich noch die Frage, ob die Uni mich auch nimmt bzw. ob mein Bachelorschnitt letztendlich gut genug sein wird…

  11. Ich war erst einmal-als besagter Touri- in Berlin und habe mich offen gestanden total in die Stadt verliebt. Allerdings musste ich beim Lesen deines Posts sehr Schmunzeln, man darf die ganze Hipster-Szene in Berlin wirklich nicht so ernst nehmen. Manche Gestalten sind schon sehr fragwürdig, die Geschichte von der WG-Party hat mich laut auflachen lassen. Trotzdem finde ich Berlin- wie du auch schreibst- gerade aufgrund der vielen unterschiedlichen Möglichkeiten eine richtig richtig tolle Stadt und: Es gibt immer etwas zu essen! Wie wahr, wie wahr und wie wichtig 😉
    Ich bin gespannt, ob es dich dorthin verschlägt!
    GLG und einen guten Wochenstart
    Charlotte
    http://charlottenmarotten.blogspot.co.at/

    1. Haha, ja – aber ich habe das Gefühl, die Leute werden auch vor allem außerhalb von Berlin so und rotten sich dann in Rudeln zusammen 😉 In Berlin habe ich so extreme Persönlichkeiten nicht angetroffen – nur die allgemein vorherrschende Großkotzigkeit 😉

      Aber ja, Berlin ist super und hat ein wirklich phänomenales Nahrungsangebot 😉

  12. Die Bilder sind richtig gut geworden. Das sind einfach die typischen Ecken und Bilder Berlins. Jaaa.. morgens sind alle gestresst, aber ich muss sagen, ich fahre morgens lieber Bahn, als nach der Arbeit. Morgens sind alle noch schön müde und ruhig. Nachmittags wird telefoniert oder laut mit Kollegen gequatscht und man hat jede Menge Touristen in der Bahn, am besten gleich in großen Gruppen.
    Richtig toll ist der Spruch mit den Baustellen. Es ist echt schrecklich, wo überall und wie lange gebaut wird und ja häufig sieht man über seeeeeehr lange Zeit keinen Arbeiter. Schlimmstes Beispiel ist hier natürlich unser Flughafen, aber auch die Sbahn..
    Ich erkläre mich hier mal schuldig. Auch ich empfehle Touristen den 100er Bus, muss ihn aber zum Glück nicht selbst nehmen.
    Die Bloggerszene – bevor ich dich kannte, habe ich sie gar nicht so wahrgenommen. Danke, dass du mich auf das Treffen und die Möglichkeit sich einfach mal zum Fotografieren zu treffen aufmerksam gemacht hast <3

    Liebe Grüße
    Jule

  13. Ein schöner Text – und die Hassliebe zu Berlin kann ich sehr gut nachvollziehen. Beim Punkt Gentrifizierung fiel mir ein, wie ich vor ein paar Wochen beim Weg zur Straßenbahn tatsächlich in lautes Lachen ausgebrochen bin, als ein gentrifizierungsfühliges zartes Pflänzchen ans Fenster des funkelnagelneuen Fixie-Ladens hier im eigentlich noch angenehm schäbigen Viertel ein "Lieber 'ne Fixstube" geschrieben hatte. Ein bisschen sympathisch sind sie mir ja doch, die Leute, die hässliche neue Klotzhäuser mit Einhörnern bemalen und keine Straßenlaterne ohne Sticker stehen lassen. 🙂

  14. Liebe Ariane,
    über CommentLovin bin ich auf deinen Blog gestoßen und unheimlich glücklich darüber. Zu diesem herrlichen Beitrag muss ich mich als geborene Berlinerin unbedingt zu Wort melden. Ich hatte so manches Mal ein Lachtränchen im Augenwinkel und ein, zwei Mal musste ich auch schlucken. Ich glaube, dass Berlin für einige Menschen von Auswärts (Anwesende ausgeschlossen 😉 ) so eine Faszination ausmacht, weil es ein bisschen Metropolenflair verspricht – nur eben in erreichbarer Nähe. Das hat natürlich zur Folge, dass diese Stadt nicht selten zu Märchen und Mythos verklärt wird. Als jemand, die hier geboren ist, kann ich dir sagen: mich nervt Berlin gelegentlich auch unheimlich! Der Dreck, der Lärm, die Anonymität, die Großkotzigkeit, das Elend, die langen Wege, das Selbstverständnis einiger, die Fülle. Und dann sehe ich wieder die große Vielfalt, die diese Stadt bietet. Die Vielfalt an Menschen und Möglichkeiten und das ist wirklich großartig. Hassliebe, das bringst du wohl gut auf den Punkt! Schade, dass ich es in den letzten Monaten nicht zum Blogfoster Stammtisch geschafft habe, sonst hätten wir uns vielleicht getroffen. Wenn du zum Studieren wieder herkommen solltest, würde ich mich freuen, wenn wir das nachholen würden. Berliner sind nicht alle so und hier gibt es auch grandios großartige Eckchen – ich nehme den Jutebeutel auch lediglich zum Einkaufen, Mate schmeckt mir gar nicht, ich bin Nichtraucherin und einen Nasenring habe ich auch nicht 🙂 Thihi!
    Alles Liebe,
    Anne

  15. Das eigentlich Schöne an Berlin ist, dass die Stadt alles bietet. Dreck, Sauberkeit, Ruhe, Lärm, Menschenmengen, viel Platz für den Einzelnen, Buntes, Schlichtes und viel Grün. Deine Beschreibung finde ich leider etwas einseitig… vielleicht warst du nicht genug in den verschiedenen Bezirken unterwegs? Berlin ist so viel mehr als die Stadt der Hipster 🙂

    1. Ich bin etwas verwirrt, hast du den Artikel gelesen? Es war ja genau meine Aussage, dass die Stadt sehr vielseitig ist und ich meine Hipster-Erfahrungen us Jena dort nicht bestätigen konnte 🙂

  16. Sehr schön geschrieben, liebe Ariane! Berlin ist ja seit zweieinhalb Jahren meine/unsere Wahlheimat. Ziel war übrigens zunächst auch, möglichst nah an der FU zu wohnen, damit der Weg für meinen Mann kurz ist … letzlich sind wir in Schöneweide, d.h. im Südosten gelandet 😉 Alles andere war einfach nicht bezahlbar.

    Ich erkenne jedenfalls vieles aus deinem Artikel in mir und meiner Umgebung wieder. Ich kenne leider auch viele Wahlberliner, die überall sonst sehr wichtig sind und tun … sehr unangenehm!

    Ich wünsche dir noch einen schönen Sonntag Abend 🙂

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